Die Luft da oben von Pauline Keller

04 Januar 2016

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Lena ist 25 und hat gerade ihr Studium abgeschlossen. Anstatt sich mit ihr zu freuen, schimpft ihre Familie, sie habe nichts Handfestes und keinen Job, somit kein eigenes Geld in der Tasche. Ihr Freund unterstützt sie jedoch, wo er nur kann. Davon abgesehen, läuft aber vieles nicht ganz perfekt. Lena ist nämlich ziemlich gross und wird deswegen immer wieder gefragt, wie die Luft da oben ist. Und die ist nicht sehr gut. Denn Lena braucht einige Zeit um sich abzukapseln und zu merken, was gut für sie ist. Ihren individuellen Wünschen nachgehen, anstatt sich in die Konventionen pressen zu lassen, die ihre Familie und sogenannte Freunde für sie vorgesehen haben - ein regelrechter Balanceakt und ein innerer Kampf, den die Autorin witzig und feinfühlig beschreibt.

Verlag: Books On Demand • Seiten: 245 Seiten • Fassung: Taschenbuch • Preis: 8,99 Euro [D] 

Kürzlich habe ich  etwas gemacht, was ich zuvor noch nie tat. Ich habe ein selbstpubliziertes Buch von einer Jungautorin gelesen. Auch wenn es nahe liegt, denn ich mag das Schreiben selbst und habe mich in gewissen Zeiten schon erfolglos 'Jungautorin' genannt, und nebenbei kriege ich noch die Chance, jemanden sowie ein Projekt zu unterstützen. Jedoch fielen die beschriebenen Bücher nie so wirklich in mein Beuteschema Paulines netter Ton im Mail hat mich schon überzeugt, und dann scheint sie sich auch noch mit meinem Blog auseinandergesetzt zu haben. Denn dieses Buch dagegen ist genau eines, welches ich gerne lesen würde. Ob mir das Buch im Endeffekt gefiel, könnt ihr nun erfahren.

Was einem sofort auffällt, ist Paulines Schreibstil. Er ist in sich harmonisch, weicht aber trotzdem leicht von vielen anderen ab. Sie benutzt viele Redensarten, die mir nicht alle so bekannt vorkamen, weswegen ich manchmal stockte, über eine solche Redensart gestolpert - ich  fand den Schreibstil anfangs wirklich verwirrend. Wie es aber mit so vielem ist, hat man sich schneller als man sich versehen kann schon daran gewöhnt und man begegnet Pauline Kellers Sprache nach einer Lesepause wie als alte Bekannte - denn sie hat Charakter und das ist definitiv ein gutes Zeichen.

Denn der Schreibstil rundet die Geschichte ab, die genauso Biss hat. Anfangs folgten einander viele Erklärungen, was ebenfalls zum kleinen befremdeten Gefühl beitrug, doch wie vermutet liessen auch diese nach. Ein Charakterzug blieb aber, dass jedes Kapitel ein neuer Aspekt in Form von Begegnung mit Personen in Lenas Leben geschildert wird mit ausführlicher Erklärung dieser Person startete. Ich gewöhnte mich aber daran auch schnell, und auch  wenn Lenas Züge sich oft gleichten - von anfänglicher Unsicherheit  und der Meinung dieser Person nachgebend, kommt immer stärker ihre eigene Stimme in ihr hoch und meldet sich  dann auch tatsächlich zu Wort. Somit folgt das Buch einer schönen Grundidee. Pauline Keller hat diesen inneren Konflikt meiner Meinung nach sehr spielerisch zum Ausdruck  gebracht. Während Lena mit vielem zu kämpfen hat und auch einigen Konflikten gegenübersteht, bleibt immer ein gewisser amüsanter Unterhaltungswert bestehen. Dadurch kriegt das Buch auch nochmal ein bisschen Farbe und Frische ab, ansonsten hätte ich die Geschichte mit dem deutlichen Leitmotiv vielleicht schnell ein wenig fad gefunden. 

Lenas nachträgliche Tiraden, die ebenso der Komik durch den Schreibstil, der an Trivialliteratur erinnert, viele Ausrufezeichen und abwechselnde Gross- und Kleinschreibung beinhaltet, sowie der Tragik gewidmet sind, wenn man als Leser bemerkt, wie lange sich Lena nicht gewehrt hat, sondern diesen Fremdeinflüssen still ergab, machen einen Grossteil des Buches aus. Da jedoch in dieser Form viel ausprobiert und abgewechselt wurde, entstand auch hier eine Spannung und hielt die Langeweile fern. 

Pauline Kellers Buch ist ein frischer und fröhlicher Mix von Selbstermunterung - eine junge Frau sucht ihren eigenen Weg -, Problemen, da doch nicht immer alles so läuft, wie man es sich wünscht und Komik, welche ebenso innerhalb des Schreibstils und der Handlung zum Ausdruck kommt. Ich würde es nachbetrachtend wirklich als Trivialliteratur einordnen - das erwartete ich am Anfang nicht - aber auch die hat ihre gute Seiten und tut einfach mal gut, besonders in 'Die Luft da oben'. Während Lena also nach dieser Balance sucht, hat Pauline Keller sie schon längst gefunden und lässt sie locker über das ganze Buch wirken. 



 
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