Weihnachtsbücher

07 Januar 2018

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Ich finde es immer etwas komisch, Weihnachten zu feiern. Alles soll so entspannend und schön und besinnlich sein, wirkt aber immer mehr wie purer Stress. Gerade als nicht gläubige Person hat das Datum für mich sowieso wenig Bedeutung und dieses Feiern unserer Konsumgesellschaft ist ja auch fragwürdig. Trotzdem freue ich mich natürlich immer, wenn Menschen an mich denken und das auch mit einem Geschenk ausdrücken, genauso wie ich das gerne bei anderen mache. Ich habe Bücher von und teilweise über starke Frauen bekommen und möchte euch die heute gerne vorstellen.


Oh, Simone von Julia Korbik

Simone de Beauvoir: grosse Denkerin des 20. Jahrhunderts, eine Ikone des Feminismus - aber warum sollten sich junge Frauen für sie interessieren? Weil sie phantastische Romane und präzise Analysen gesellschaftlicher Entwicklungen schrieb und ihrem Partner Jean-Paul Sartre an analytischer Schärfe in nichts nachstand: eine Frau, die schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts für ihre Freiheit kämpfte, emanzipiert und unabhängig.
Julia Korbik wirft einen frischen Blick auf die Frau, die Schriftstellerin, die Philosophin und die Feministin. Simone de Beauvoir schillert in diesem Buch in all ihren Facetten: Man erfährt, welche Themen sie interessierten, welche Bücher ie las, welche Personen ihr nahestanden, was sie inspirierte und wie ihr Alltag aussah. Oh, Simone überrascht, lädt zum Stöbern ein und zeigt: Es lohnt sich, kritisch zu denken und das zu tun, wofür man brennt.


Bereits auf den ersten paar Seiten wusste ich, dass das Buch alles hält, was es verspricht. Julia Korbik durften wir letztes Jahr auf der Buchmesse kurz kennenlernen, nachdem wir vor allem Artikel von ihr lasen (der feministische Jahresrückblick 2016 gehört immer noch zum Besten, was wir je im Internet fanden. Wir hoffen auf ein Update, jetzt zum Jahresende) und durch ihr Buch 'Stand Up' stöberten, welches den Feminismus in all seinen Facetten und mit all den Menschen, die er hervorgebracht hat, vorstellt. In diesem Buch geht es natürlich vor allem um eine: Simone de Beauvoir. Korbik möchte de Beauvoir von diesem unsichtbaren Podest runterholen, auf den wir sie gedanklich immer stellen, wenn wir sie zitieren, ohne ihre Schriften gelesen zu haben, wenn wir sagen: 'Ach, de Beauvoir! Von ihr sollte ich auch mal was lesen...'. Gleichzeitig aber holt Korbik sie aus dem Schatten Sartres und geht auf ihr Leben, ihr Schaffen, ihr Sein und Lieben ein und das auf eine phantastische Weise, die das Buch fast zu einem Roman macht.

Die Argonauten von Maggie Nelson

Es ist die Geschichte einer Liebe: Maggie Nelson verliebt sich in Harry Dodge, einen Künstler - oder eine Künstlerin?  - mit fluider Genderidentität. Harry hat bereits ein Kind, Maggie wird schwanger, zu viert bauen sie ein gemeinsames Leben. Die Argonauten  ist eine ergreifende Geschichte queeren Familienlebens, zugleich erfindet Maggie Nelson eine ganz eigene, leuchtend klare Form der philosophischen Erkundung, Memoir, Theorie, Poesie: Es ist ein Buch, das sich nicht einordnen lässt und das unsere Einordnungen herausfordert mit seinem radikal offenen Denken. Dem Festhalten an fixen Kategorien setzt es den Gedanken des permanenten Werdens entgegen: das Leben als freie - und befreiende - Improvisation.


Das englische Original wurde von aller Welt gelesen und mir empfohlen - und ich freue mich sehr, das Buch jetzt in den Händen halten zu dürfen. Maggie Nelson als Autorin hat schon einiges hervorgebracht, was mich anspricht, aber das ist das erste Buch von ihr, dass ich besitze. Einige Freundinnen und Freunde von mir interessieren sich auch sehr dafür, einfach, weil es sich so anders als alles anhört, was wir bereits kennen. Und dabei ist noch nicht mal der Inhalt gemeint, sondern viel mehr die Form, die jegliche wichtige Intellektuelle zitiert und selber zwischen Sachbuch, Roman und persönlichem Tagebuch zu schwanken scheint. Ich bin sehr gespannt.

Ich schreibe, um herauszufinden, was ich denke von Susan Sontag (Tagebücher 1964-1980)

Mein Leben ist mein Kapital, das Kapital meiner Vorstellungskraft. Susan Sontags Tagebücher sind Spiegel dieses Selbstverständnisses, das bei dieser Frau des Geistes von je her auch ein politisches war. Davon zeugen eindrücklich ihr Aufenthalt in Hanoi, das sie 1968 während des Vietnamkriegs mit einer Delegation amerikanischer Kriegsgegner besuchte, und weitere Reisen nach China, Marokko und Israel. Die Jahre zwischen 1964 und 1980 sind geprägt von einer intensiven Beschäftigung mit der eigenen Herkunft und Erziehung und der Auseinandersetzung mit der Kunst John Cages und Marcel Duchamps, mit Paul Bowles, Jasper Johns und vor allem Joseph Brodsky. Ausserdem entstehen während jener Zeit Sontags bedeutendste Bücher, darunter Kunst und Antikunst, Über Photographie und Krankheit als Metapher. Susan Sontag, der im Leben 'nichts rätselhaft' erschien, 'nur die Liebe', begegnete diesem Rätsel in der Form einer ständigen Selbstbefragung. Wo sie im Schreiben bis an die Grenzen ihrer Person stösst, tun sich ihr, und ihrem Leser, oft die erstaunlichsten Erkenntnisse auf, über die Kunst, das Denken und sie selbst.


Susan Sontag und ihre Worte begleiten mich jetzt schon länger, und ich liebe vor allem ihre Essay(bände). Aber in ihren Tagebücher soll es mehr um sie als Person gehen, und deswegen fasziniert mich dieses Buch schon lange sehr. Es ist sehr umfangreich und natürlich keine reine Prosa. Ich freue mich aber sehr auf die Anarchie ihrer Gedanken und Empfindungen, auf dieses 'Zeugnis der Reifejahre einer der aussergewöhnlichsten Intellektuellen des 20. Jahrhunderts und das politische und künstlerische Vermächtnis dieser'.

Kennt ihr diese Bücher, habt ihr sie schon gelesen?
Welches spricht euch am meisten an?





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