Oh, Simone von Julia Korbik | Buchbesprechung

13 Januar 2018

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 „Ich möchte vom Leben alles!“
Simone de Beauvoir: Große Denkerin des 20. Jahrhunderts, eine Ikone des Feminismus – aber warum sollten sich junge Frauen für sie interessieren? Weil sie fantastische Romane und präzise Analysen gesellschaftlicher Entwicklungen schrieb und ihrem Partner Jean-Paul Sartre an analytischer Schärfe in nichts nachstand; eine Frau, die schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts für ihre Freiheit kämpfte, emanzipiert und unabhängig.
Julia Korbik wirft einen frischer Blick auf die Frau, die Schriftstellerin, die Philosophin und die Feministin. Simone de Beauvoir schillert in ihrem Buch in all ihren Facetten: Man erfährt, welche Themen sie interessierten, welche Bücher sie las, welche Personen ihr nah standen, was sie inspirierte und wie ihr Alltag aussah. Oh, Simone! überrascht, lädt zum Stöbern ein und zeigt: Es lohnt sich, kritisch zu denken und das zu tun, wofür man brennt.


Die charmante Julia Korbik durften wir bereits 2016 n der Frankfurter Buchmesse kurz kennenlernen. Vorher, danach aber deutlich intensiver, geniessen wir ihre überwiegend feministischen Beitrage auf diversen Onlineplattformen. Unter anderem führt sie selbst einen Blog namens 'Oh, Simone', welcher der grossartigen Simone und ihrer persönlicher Beziehung zu der französischen Intellektuellen gewidmet ist Wir wissen natürlich nicht genau, wie lange die Idee zu diesem Buch schon feststand, freuen uns jetzt aber sehr darüber.

Es beginnt schon wunderschön, gleich mit einem Zitat, welches es danach auch in mein Tagebuch geschafft hat.

Ich liebe ds Leben so sehr und verabscheue den Gedanken, eines Tages sterben zu müssen. Und ausserdem bin ich schrecklich gierig, ich möchte vom Leben alles, ich möchte eine Frau, aber auch ein Mann sein, viele Freunde haben und allein sein, viel arbeiten und gute Bücher schreiben, aber auch reisen und mich vergnügen, egoistisch und nicht egoistisch sein...
 

Darauf folgt neben einer Karte des beauvoir'schen Paris, welche neben privaten Plätzen auch öffentliche Bibliotheken und Buchläden beispielsweise verzeichnet hat. Dann folgt das Leben der Simone in sechs verschiedene Aspekte eingeteilt: Werden, Lieben, Denken, Schreiben, Handeln und Kämpfen. Diese Einteilung gefällt mir sehr gut, und ich störte mich auch nicht im geringsten daran, dass einige Erlebnisse vielleicht zweimal vorkommen, durch die unterschiedlichen Standpunkte, von welchen aus sie dann beleuchtet werden.

Julia Korbik schreibt mit viel Herzblut und Begeisterung für Simone de Beauvoir, hinterfragt aber gewisse Teile, wa sehr gut tut und vor allem ihrem Ziel mit dem Buch hilft: Beauvoir einerseits von dem Thron zu holen, auf welchen sie viele unterbewusst stellen (ihr 'Le Deuxieme Sèxe' gehört zum meist zitierten und am wenigsten gelesenen feministischen Fachbücher). Gleichzeitig holt sie sie aber auch aus dem Schatten Sartres, ein Platz, den sie zu keinem Zeitpunkt verdient hat. 

Ausserdem werden die vielen Inspirationen ihres Lebens vorgestellt und differenziert betrachtet: Schriftsteller*Innen ebenso wie philosophische Ansichten. Daraus ergibt sich ein Bild dieser faszinierenden Frau und ein wunderbares Einstiegs- und Hintergrundwerk für de Beauvoir ebenso wie beispielsweise den französischen Feminismus oder den Existenzialismus.

Weihnachtsbücher

07 Januar 2018

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Ich finde es immer etwas komisch, Weihnachten zu feiern. Alles soll so entspannend und schön und besinnlich sein, wirkt aber immer mehr wie purer Stress. Gerade als nicht gläubige Person hat das Datum für mich sowieso wenig Bedeutung und dieses Feiern unserer Konsumgesellschaft ist ja auch fragwürdig. Trotzdem freue ich mich natürlich immer, wenn Menschen an mich denken und das auch mit einem Geschenk ausdrücken, genauso wie ich das gerne bei anderen mache. Ich habe Bücher von und teilweise über starke Frauen bekommen und möchte euch die heute gerne vorstellen.


Oh, Simone von Julia Korbik

Simone de Beauvoir: grosse Denkerin des 20. Jahrhunderts, eine Ikone des Feminismus - aber warum sollten sich junge Frauen für sie interessieren? Weil sie phantastische Romane und präzise Analysen gesellschaftlicher Entwicklungen schrieb und ihrem Partner Jean-Paul Sartre an analytischer Schärfe in nichts nachstand: eine Frau, die schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts für ihre Freiheit kämpfte, emanzipiert und unabhängig.
Julia Korbik wirft einen frischen Blick auf die Frau, die Schriftstellerin, die Philosophin und die Feministin. Simone de Beauvoir schillert in diesem Buch in all ihren Facetten: Man erfährt, welche Themen sie interessierten, welche Bücher ie las, welche Personen ihr nahestanden, was sie inspirierte und wie ihr Alltag aussah. Oh, Simone überrascht, lädt zum Stöbern ein und zeigt: Es lohnt sich, kritisch zu denken und das zu tun, wofür man brennt.


Bereits auf den ersten paar Seiten wusste ich, dass das Buch alles hält, was es verspricht. Julia Korbik durften wir letztes Jahr auf der Buchmesse kurz kennenlernen, nachdem wir vor allem Artikel von ihr lasen (der feministische Jahresrückblick 2016 gehört immer noch zum Besten, was wir je im Internet fanden. Wir hoffen auf ein Update, jetzt zum Jahresende) und durch ihr Buch 'Stand Up' stöberten, welches den Feminismus in all seinen Facetten und mit all den Menschen, die er hervorgebracht hat, vorstellt. In diesem Buch geht es natürlich vor allem um eine: Simone de Beauvoir. Korbik möchte de Beauvoir von diesem unsichtbaren Podest runterholen, auf den wir sie gedanklich immer stellen, wenn wir sie zitieren, ohne ihre Schriften gelesen zu haben, wenn wir sagen: 'Ach, de Beauvoir! Von ihr sollte ich auch mal was lesen...'. Gleichzeitig aber holt Korbik sie aus dem Schatten Sartres und geht auf ihr Leben, ihr Schaffen, ihr Sein und Lieben ein und das auf eine phantastische Weise, die das Buch fast zu einem Roman macht.

Die Argonauten von Maggie Nelson

Es ist die Geschichte einer Liebe: Maggie Nelson verliebt sich in Harry Dodge, einen Künstler - oder eine Künstlerin?  - mit fluider Genderidentität. Harry hat bereits ein Kind, Maggie wird schwanger, zu viert bauen sie ein gemeinsames Leben. Die Argonauten  ist eine ergreifende Geschichte queeren Familienlebens, zugleich erfindet Maggie Nelson eine ganz eigene, leuchtend klare Form der philosophischen Erkundung, Memoir, Theorie, Poesie: Es ist ein Buch, das sich nicht einordnen lässt und das unsere Einordnungen herausfordert mit seinem radikal offenen Denken. Dem Festhalten an fixen Kategorien setzt es den Gedanken des permanenten Werdens entgegen: das Leben als freie - und befreiende - Improvisation.


Das englische Original wurde von aller Welt gelesen und mir empfohlen - und ich freue mich sehr, das Buch jetzt in den Händen halten zu dürfen. Maggie Nelson als Autorin hat schon einiges hervorgebracht, was mich anspricht, aber das ist das erste Buch von ihr, dass ich besitze. Einige Freundinnen und Freunde von mir interessieren sich auch sehr dafür, einfach, weil es sich so anders als alles anhört, was wir bereits kennen. Und dabei ist noch nicht mal der Inhalt gemeint, sondern viel mehr die Form, die jegliche wichtige Intellektuelle zitiert und selber zwischen Sachbuch, Roman und persönlichem Tagebuch zu schwanken scheint. Ich bin sehr gespannt.

Ich schreibe, um herauszufinden, was ich denke von Susan Sontag (Tagebücher 1964-1980)

Mein Leben ist mein Kapital, das Kapital meiner Vorstellungskraft. Susan Sontags Tagebücher sind Spiegel dieses Selbstverständnisses, das bei dieser Frau des Geistes von je her auch ein politisches war. Davon zeugen eindrücklich ihr Aufenthalt in Hanoi, das sie 1968 während des Vietnamkriegs mit einer Delegation amerikanischer Kriegsgegner besuchte, und weitere Reisen nach China, Marokko und Israel. Die Jahre zwischen 1964 und 1980 sind geprägt von einer intensiven Beschäftigung mit der eigenen Herkunft und Erziehung und der Auseinandersetzung mit der Kunst John Cages und Marcel Duchamps, mit Paul Bowles, Jasper Johns und vor allem Joseph Brodsky. Ausserdem entstehen während jener Zeit Sontags bedeutendste Bücher, darunter Kunst und Antikunst, Über Photographie und Krankheit als Metapher. Susan Sontag, der im Leben 'nichts rätselhaft' erschien, 'nur die Liebe', begegnete diesem Rätsel in der Form einer ständigen Selbstbefragung. Wo sie im Schreiben bis an die Grenzen ihrer Person stösst, tun sich ihr, und ihrem Leser, oft die erstaunlichsten Erkenntnisse auf, über die Kunst, das Denken und sie selbst.


Susan Sontag und ihre Worte begleiten mich jetzt schon länger, und ich liebe vor allem ihre Essay(bände). Aber in ihren Tagebücher soll es mehr um sie als Person gehen, und deswegen fasziniert mich dieses Buch schon lange sehr. Es ist sehr umfangreich und natürlich keine reine Prosa. Ich freue mich aber sehr auf die Anarchie ihrer Gedanken und Empfindungen, auf dieses 'Zeugnis der Reifejahre einer der aussergewöhnlichsten Intellektuellen des 20. Jahrhunderts und das politische und künstlerische Vermächtnis dieser'.

Kennt ihr diese Bücher, habt ihr sie schon gelesen?
Welches spricht euch am meisten an?





WIR SIND ZURÜCK, was war und kommt

01 Januar 2018

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Wir sind zurück. Das hoffen wir zumindest beide ganz fest. 2017 war Blog technisch gesehen ein sehr erfolgreiches Jahr - ganze 94 Posts haben wir verfasst, wir haben uns zu zweit gut arrangieren können, gemeinsam haben wir etliche Stunden in die Blogarbeit gesteckt und sind sehr glücklich darüber, hier eine Plattform für unsere Gedanken zu haben. Danke, dass du uns als Leser*in treu geblieben bist und uns auf unserem weiteren Weg begleiten willst. Das muss auch einfach mal gesagt werden! Ende Jahr kommen bekanntlich ja immer die Emotionen hervor... 

Einige mögen vielleicht bemerkt haben, dass wir seit Anfang November nichts mehr gepostet haben, das kam einfach so, plötzlich haben wir beide kaum noch gelesen und uns ist irgendwie alles etwas über den Kopf gewachsen, die Motivation für den Blog ist irgendwie verschwunden, es wurde zu viel und die Lust hier weiter zu machen, war nicht wirklich da... Auch der Druck ist irgendwie weggefallen und das ist ziemlich angenehm, und doch möchten wir das hier auf keinen Fall aufgeben. Das neue Jahr, 2018, ist eine wunderbare Gelegenheit dieses 'Projekt' hier erneut zum Laufen zu bringen und wir freuen uns darauf! Dennoch wird es wohl einige Herausforderungen geben. 

Das Gute am Bloggen ist, wir können dies unabhängig voneinander an verschiedenen Orten tun, vorausgesetzt wir haben eine Internetverbindung. Deshalb wird es wohl auch kein so grosses Problem sein, dass Anaïs ab Mitte Januar für ein Semester in die Westschweiz verreisen wird. Genf ist eine der grössten Städte der Schweiz und es wird dort Französisch gesprochen. Mara bleibt in Zürich. Wir beide sind im Moment im vorletzten Jahr und haben einiges zu tun. Das war mit und auch ein Grund, weshalb hier für kurze Zeit Stille geherrscht hat. Doch wie gesagt, unsere Stimmen sind zurück. 

Was war...

...Bücher
Anfang 2017 haben wir eine Liste mit zehn Büchern erstellt, die wir in diesem Jahr gerne lesen würden, nicht annähernd haben wir dieses Ziel erreicht und doch haben wir einige gelesen und wurden mehrheitlich nicht enttäuscht. Hier findet ihr zum Post. Aber neben den Büchern aus dieser Liste haben wir auch einige Andere gelesen, auf unserm Blog findet ihr zu den meisten dazu eine Rezension. Es waren etliche Bücher dabei, verschiedenste Genre, gute und schlechte Bücher. Auch wenn wir beide unglaublich gerne ausprobieren, haben wir wohl langsam unseren Lesegeschmack gefunden und nur noch selten greifen wir zu Büchern, die uns gar nicht zu sagen. Schön eigentlich. Wollt ihr wissen, welche uns am meisten zusagten dieses Jahr? Dann widmen wir diesen Schätzen gerne noch einen eigenen Beitrag. 

...Projekte
Dieses Jahr haben wir beide vor allem an zwei grössere Projekten gearbeitet und euch immer mal wieder etwas daran teilhaben lassen. Im November haben wir eine Theateraufführung gehabt. Das Stück haben wir zu fünft selbst entworfen und gingen voller Elan und mit viel Herzblut an die Sache ran, es entstand im Rahmen einer Abschlussarbeit des Gymnasiums und hat uns sehr viel Freude bereitet, es war unglaublich inspirierend. Seit Dezember letzten Jahres schreiben wir beide als so genannte Stadtbeobachterinnen für das Junge Literatur Labor Zürich, das JULL. Wir betrachten Zürich aus einem neuen Winkel und schreiben unsere Beobachtungen nieder, wir haben eine tolle kleine Gruppe von fünf Leuten und geniessen die Treffen und den regen Austausch. Ab Januar schreiben wir im Rahmen des Reformationsjubiläum abwechslungsweise eine Kolumne für die Reformiert Zeitung. Sie sind konfirmiert oder konfes­sionslos, reformiert oder katholisch. Sie sind zwischen sechzehn und neunzehn Jahre alt. Der Glaube ist ihnen wichtig, egal oder fremd. Von der Kirche und der Reformation haben sie alle wenig Ahnung.  

...Kultur
2017 sind wir beide viel herumgekommen. Paris, Lissabon, London, Rom, die Bretagne und sogar Mexiko haben wir bereist und erforscht. Wir haben Neues gesehen und Altes wiederentdeckt und uns sehr gefreut. Verschiedene Theater haben wir uns angesehen, Filme geschaut, Konzerte und Festivals besucht und einige Ausstellungen angesehen. Tatsächlich war es die Schule, die uns dazu trieb, im grossen Freund_innenkreis Museumsbesuche zu unternehmen. Diesen Tag haben wir wirklich sehr genossen und gemerkt, wie gerne wir gemeinsam unterwegs sind und wie anregend ein solches Vorhaben auch sein kann. Deswegen nehmen wir uns 2018 vor, mehr gemeinsam in Museen zu gehen, mehr über Kunst und Literatur und Filme zu diskutieren...

...wir zwei
Freundschaften sind nicht immer leicht zu bestreiten, es gibt einige unschöne Momente, schwere Phasen und auch wir beide haben es nicht immer einfach zu zweit. Dieses Jahr gab es Zeiten in denen wir uns ganz nah war, aber auch solche in denen die Andere ganz weit weg schien. Doch das schöne ist, wir haben noch immer wieder zueinander gefunden, wir sind so froh, uns zu haben, das macht uns glücklich - und alle um uns herum. Wir haben uns, wir werden uns immer haben, wir sind ein gutes Team und wir mögen uns. Wir zwei, wir halten zu uns und mehr brauchen wir gar nicht.  

...und vieles mehr

Was kommt...

Wir haben uns etwas weniger vorgenommen für 2018. Alles ist noch etwas ungewiss und wir möchten uns mit dem Blog keinen zu grossen Stress machen, noch immer soll es eine Art Hobby bleiben, das uns gefällt. Unser Plan ist allerdings folgender: Monatlich werden mindestens fünf Beiträge auf unserem Blog erscheinen, jeweils zwei von Mara und zwei von Anaïs. Und dann Ende Monat ein Monatsrückblick, die haben wir nämlich immer gerne selber gestaltet und finden auch, dass sie recht schön geworden sind. Falls uns mehr einfällt, falls wir Lust auf mehr haben, werden wir selbstverständlich auch mehr posten. Die Themen bleiben wohl mehrheitlich die selben: Hauptsächlich natürlich Literatur, wir lieben Bücher nach wie vor, Lesen mit voller Begeisterung und geniessen es darüber zu schreiben. Dazu gehören natürlich auch Buchhandlungen und eigene Texte. Wilde Welt - Politik ist ein Thema, das uns sehr wichtig ist und auch darüber möchten wir häufiger schreiben, um nur Feminismus als eines der uns am Herzen gelegenen Themen zu benennen. Kultur ist weiterhin ein Bereich, der uns sehr fasziniert. Kunst, Theater, Musik, Film... 

Wir freuen uns. Auf ein Gutes 2018. 



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