väterland von christophe léon | buchgedanken

24 August 2017

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Gabrielle wurde von einem homosexuellen Paar adoptiert. Ihre Väter sind seit 15 Jahren verheiratet, doch ein neues Gesetz macht sie zu Ausgestossenen. Sie müssen eine rosa Raute tragen, verlieren das Recht, ihren Beruf auszuüben und dürfen das Ghetto nicht verlassen. Um ein Geburtstagsgeschenk für ihre Tochter zu kaufen, riskieren sie alles.




Christophe Léons Roman ist eine Reise - einerseits eine, die uns in eine schreckliche und an die Vergangenheit erinnernde Zukunft führt, andererseits die zweier liebender Väter durch Paris, die ihrer Tochter ihre Liebe beweisen wollen. Schon andere zu Klassiker mutierende Jugendbücher haben uns klargemacht, das Strukturen, die vergleichbar mit jener zur Holocaust Zeit sind, immer wieder auftauchen können - gerade da, wo man sie am wenigsten erwartet. Denn auch wenn im Moment endlich erste Erfolge für die gleichgeschlechtliche Liebe gefeiert werden, nimmt anderswo der Antisemitismus wieder zu und die Unterdrückung von Menschen hat noch lange kein Ende gefunden. Um dem entgegen zu wirken, braucht man einige starke Worte und den Mut, diese auszusprechen oder aufzuschreiben, um gegen eine Wand von Mitläufer-Charaktern anzulaufen und Erfolge zu erzielen. Christophe Léon hat bewiesen, dass er das kann, und hat gleich noch einige einzigartige und mutige Charaktere erschaffen, die man in den wenigen Seiten zwar nicht bis ins Innerste kennenlernt, aber trotzdem geschwind in sein Herz schliesst. Mit dieser Technik schafft der Autor, trotz relativ neutralem Schreibstil, die Geschehnisse packend und mitnehmend darzustellen. Ausserdem schafft er verschiedenen Stimmen Platz, indem immer wieder seitenweise 'Zitate' von Menschen geschrieben stehen, die Homosexualität als Drohung wahrnehmen und den beiden reisenden Vätern auf der Strasse begegnen. So schafft er es ganz gelegentlich, dass man auch als lesende Person Angst hat, den nächsten Menschen zu begegnen, die eine andere Sexualität als die ihre beängstigend finden.

Mit diesem Buch hat Christophe Léon etwas aussergewöhnliches erschaffen, eine zukünftige Schullektüre, die unter die Haut geht und den Zeitgeist genau trifft. Sexuelle, aber auch politische Aufklärung ist nämlich wichtiger denn je und wird hier auf spielerische, aber unglaublich raffinierte Art vermittelt - vielen Dank für diese wichtige Lektüre!


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