alles bleibt in der familie | buchbesprechung

21 August 2017

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Eine Grossfamilie in der New Yorker Upper West Side. Roy, ein Psychotherapeut, und seine erste Frau, Bea, eine Gastronomin, leben zusammen mit ihren vier Kindern und deren Partnern und Geliebten, Roys weiteren zwei Ehefrauen, Beas Liebhaber, ihrer lesbischen Künstlerinnenschwester sowie ihrer nervtötenden Mutter in einem einzige Mehrfamilienhaus. Da ist wenig Platz für alle - und doch genug Raum für Missverständnisse, schlechte Gefühle, aber auch unerwartete Freude. Ein scharfsinniges Buch über eine moderne Familie und der lustigste Roman dieser grossen Autorin.

"Mein Vater ist in die Lehrerin meiner Schwester verliebt, meine Ex- Stiefmutter in meine Tante, du in den Hausmeister und Grandma in den Portier, also warum zum Teufel kann ich nicht in die Frau meines Bruders verliebt sein?"



Auf dieses Buch habe ich mich sehr gefreut, und bin auch etwas traurig, dass ich es nun schon beendet habe. Vor ein Paar Monaten sind Mara und ich nämlich vom Kein und Aber Verlag ins Verlagshaus in Zürich eingeladen worden und da wurde mir dieses Buch ans Herz gelegt und ich durfte es netterweise gleich als Rezensionsexemplar mit nach Hause nehmen. Das Cover gefällt mir unglaublich gut, es ist so schlicht in weiss gehalten und die einzelnen Farbkleckse werten das Ganze dann gleich noch einmal auf. Ich hatte sehr viel Freude dieses Buch 'in Szene zu setzen' und zu fotografieren (die Fotos sind übrigens im wohl schönsten Guesthouse ever entstanden, es hiess La Course und ist in Bordeaux). Lynne Sharon Schwartz, die Autorin des Buches, ist New Yorkerin und im Jahre 1934 geboren, sie ist also schon älter. Auf Englisch ist 'Alles bleibt in der Familie' bereits 1999 erschienen und liegt  nun zum ersten Mal auf Deutsch vor. Am Anfang habe ich das gar nicht richtig bemerkt, dass das Buch schon etwas älter ist, aber als ich dies dann auf dem Klappentext gelesen habe, habe ich beim Lesen einige Unterschiede bemerkt. Banale Dinge wie zum Beispiel, dass die moderne Technik nie wirklich ein Thema ist, was sie aber durchaus hätte sein können in dieser Grossfamilie, aber ich habe es auch am Verhalten der verschiedenen Figuren bemerkt. Heute würde man teilweise einfach nicht mehr so handeln wie beschrieben. 


Ja - die verschiedenen Figuren, das war zu  Beginn eine richtige Challenge, all diese Charaktere auseinanderzuhalten und zu wissen, wer genau wie zu wem steht. Zum Glück gab es diesen Stammbaum auf den ersten Seiten, zu dem ich immer wieder zurückgreifen konnte, wenn ich mir nicht mehr sicher war, wer dann jetzt wer ist. Bei fast allen Personen habe ich das inzwischen herausgefunden, nur bei zweien bin ich mir etwas unsicher. Ich stelle euch nun diese Grossfamilie vor, so erhält ihr wohl einen guten Überblick und könnt euch etwas vorstellen, was in diesem Roman passiert. Das Setting ist die Upper West Side in New York, ein riesiges Haus, in dem die ganze Familie untergebracht ist. Anna ist die Hausherrin, die schon seit Ewigkeiten in diesem Gebäude untergebracht ist und zunehmend Gedächtnislücken aufweist, alles scheint auf Alzheimer herauszulaufen. Die alte Frau ist eine meiner Lieblingscharakteren, sie hat mich einige Male zum Schmunzeln gebracht mit ihrer unverschämten Direktheit. Anna liebt Oscar, den Hausportier, der allerdings seine Arbeit sehr ernst nimmt. Eine weitere sehr zentrale Figur der Geschichte ist Bea, sie ist die älteste Tochter von Anna und hat für jeden immer ein offenes Ohr.


Besonders und vor allem immer noch für ihren Exmann Roy, der Psychiater ist und immer wieder einen Rat von seiner ersten Ehefrau braucht. Bea hat nach Roy ebenfalls wieder eine Liebe gefunden, den Hausabwart Dmitri aus Russland. Die zweite Ehefrau von Roy heisst Serena. Sie ist die Exfrau eines Patienten von Roy. Beas Schwester May hat sich aber ebenfalls in Serena verliebt, die Künstlerin spannt Roy also die Frau aus und die beiden sind glücklich verliebt. Sie sind das einzige gleichgeschlechtliche Paar in der Familie. Nach Serena findet Roy allerdings erneut eine Frau, die Lehrerin seiner Tochter Sara. Sara nennt sich aber nicht mehr Sara sondern Shimmer, das hört sich cooler an. Saras Lehrerin Lisa heiratet also Roy und rutscht etwas ungewollt in den grossen Familienstammbaum. Sara hat ein leibliches Geschwister, einen Bruder, der Danny heisst und eine kleine Identitätskrise hat. Sara und Danny haben aber noch zwei Halbgeschwister, die Roy ebenfalls als Vater haben, die Mutter war eine Prostituierte aus Vietnam und ihre Kinder heissen Jane und Tony. Auch alle Kinder haben noch Freunde in die sie sich verlieben und wow, ja, das sind viele Leute. 


Die Idee des Buches finde ich genial. Seit ich ein kleines Mädchen bin habe ich beinahe eine Obsession für Vornamen entwickelt, ich habe alle möglichen schwangeren Frauen beraten und bereits mit neun Jahren zum Geburtstag einen Namensduden geschenkt bekommen. Wie eine Verrückte habe ich also damals Namenberatungen durchgeführt und ganze Ordnern mit fiktiven Schulklassen gefüllt.  Eigentlich hätte ich selber auf die Idee, dieses Buch zu schreiben, kommen sollen. Schade wars. Deshalb hat mich dieses Buch auch so angesprochen, ich finde das echt bewundernswert, was Lynne Sharon Schwartz hier geschaffen hat. Das Buch wäre auch eine grossartige Basis für eine Fernsehserie, eine bessere Version von Modern Family vielleicht. Es fiel mir erstaunlich leicht mich in alle Charaktere hineinzuversetzen und das Lesen hat Spass gemacht. Dennoch hat mir etwas Pfiff gefehlt, was ich allerdings darauf schiebe, dass das Buch auch schon fast zwanzig Jahre alt ist und sich die Menschen zu dieser Zeit einfach mit anderen Themen befasst haben und andere Dinge witzig waren, sie sind relativ zeitlos, aber meiner Meinung nach hätten auch noch einige aktuelle Themen eingebaut werden können und darüber Witze gerissen.

Vielen Herzlichen Dank an den Kein + Aber Verlag für dieses Rezensionsexemplar!
Kommentare
  1. Das klingt super. Tolle Buch-Idee!

    Neri, Leselaunen

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    1. Echt kreativ! Danke viel Mal für deine fleissigen Kommentare, das freut uns sehr! <3

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