das mädchen mit dem fingerhut


Ein Mädchen, das alles verloren hat und eine neue Heimat sucht. Eines von drei Kindern in einer Welt, die nichts von ihnen wissen will. Michael Köhlmeier hat ein starkes, unvergessliches Buch über unsere ganz reale Gegenwart geschrieben. 
Irgendwo in einer grossen Stadt in Westeuropa. Auf dem Markt steht plötzlich ein kleines Kind. Man gibt dem Mädchen zu essen, zu trinken. Sie versteht kein Wort der Sprache, die man hier spricht Doch wenn jemand 'Polizei' sagt, dann beginnt sie zu schreien. Woher sie kommt? Warum sie hier ist? Wie sie heisst? Sie weiss es nicht. Yiza, sagt sie, also heisst sie von nun an Yiza. Als Yiza zwei Jungen trifft, die genauso alleine sind wie sie, tut sie sich mit ihnen zusammen. 
Michael Köhlmeier erzählt eine Geschichte von Menschen ohne Herkunft - ein Roman, dessen Faszination man sich nicht entziehen kann.

Natürlich ist das grösste Thema momentan 'Flüchtlinge und Flucht'. Da geht mir eine Angelegenheit besonders nah ans Herz - unbegleitete Minderjährige Asylsuchende, auch kurz UMA. Michael Köhlmeier behandelt genau dieses Thema in diesem Roman. Jedoch ohne Worte wie 'Flucht' ins Mund zu nehmen - zu Papier zu bringen also. Überhaupt sind wenige Worte versammelt, in wenigen kurzen Sätzen. Wenig, wie die Anzahl an Seiten.


Und, ganz ehrlich, auch sonst. Die Sprache ist karg und auf den Inhalt fokussieret. Sie gebührt ihm einen unvergesslichen Auftritt. Wir als Leserinnen und Leser lernen die Charaktere gerne kennen. Wir mögen es bestimmt alle, mit ihnen eine besondere, spezielle, am liebsten enge Verbindung einzugehen. Köhlmeier weiss dies, und setzt es phänomenal um. Wir lernen Menschen nicht kennen, wenn wir ihre Namen wissen. Sondern wenn wir mitbekommen, wie sie sich verhalten. Es ist eine echte Begegnung, oder eher Beobachtung, dieses Buch. Ich meinte, Michael Köhlmeier begegnete dieser Dreiergruppe an verlorenen Seelen und dachte sich ihre Geschichte aus. Zu dritt werden sie nicht wirklich betrachtet, alleine würden sie viel mehr Aufsehen erregen. Doch zuerst war das Mädchen mit dem Fingerhut alleine, sogar ohne den Fingerhut. Zuerst war nur sie da, und die Stadt. Die grosse, fremde Stadt im Westen Europas. Aber das ist ganz egal - ja, in dem Roman spielen Förmlichkeiten keine Rolle. Die Augen eines Kindes, die Gefühle eines Kindes, die Gedanken eines Kindes mögen vielleicht naiv, aber immer zutiefst wahrheitsgetreu sein.


Und so schreibt Michael Köhlmeier eindringlich sein Buch, das die Wahrheit selbst ist. Es ist die Wahrheit, ein Alltag, ein Leben vieler, vieler Menschen heutzutags. Sie sind so klein und so verletzlich, dass wir sie übersehen. Der Autor wirkt dagegen an, indem er ihre Geschichte erzählt. Und erst dadurch realisieren wir, dass diese Geschichten, diese Menschen und Menschen allgemein, egal wie gut wir sie kennen, die verschiedensten Emotionen ins uns hervorrufen können. Ich bin zutiefst beeindruckt von diesem Werk und danke Michael Köhlmeier dafür von ganzem Herzen.

Hanser / 145 Seiten / Gebunden mit Schutzumschlag / Original Deutsch / 18.90 Euro [D]

Bis ich einundzwanzig war


Eine Mutter, die lieber am anderen Ende der Welt mit Omar Sharif Bridge spielt. Ein Vater, der seine Tochter zu hässlich findet, um sich mit ihr auf der Strasse zu zeigen. Das ist die Situation der Ich-Erzählerin, und die verschärft sich noch, als die Mutter den Vater für einen französischen Multimillionär verlässt. Die Eltern sind meist abwesend, das Personal hilflos. 
Mit dreizehn beginnt das Mädchen eine Affäre mit einer jungen Krankenschwester und nimmt alles an Drogen, was zu bekommen ist. Das fällt irgendwann sogar den Eltern auf - die Tochter wird ins Internat gesteckt und lernt dort, dass es das Böse wirklich gibt.


Von 'Bis ich 21 war' habe ich viel erwartet. Die Geschichte hört sich nicht nur spannend an, sondern das ganze Drumherum scheint interessant - dass alles eine Autobiographie ist, die Erfahrungen der Autorin, die Form, wie das Buch in zwei Teil geteilt ist. Irgendwie fühlte sich das Buch anders an, als andere Bücher.

Und es war tatsächlich anders, aber anders als ich erwartet habe. Leider kann ich fast nicht aufhören, Kritikpunkte zu finden und Details zu bemängeln. Das Buch begann zwar ziemlich gut, anfangs wollte ich mich in das Buch stürzen und habe die ersten 100 Seiten innerhalb kürzester Zeit gelesen, dann jedoch ging es langsam voran, weil es schlechter wurde. Schon zum Ende des ersten Teils hin, der ein bisschen kürzer ist als der folgende, verleidete mir das Buch, der Schreibstil, die Geschichte und so ziemlich alles andere. Und die nächsten 100 Seiten brauchten mehr als 2 Wochen, um von mir gelesen zu werden. 

Normalerweise, und das wisst ihr, fällt es mir schwer, ein Buch mit autobiographischen Elementen schlecht zu besprechen. Jedoch nahm ich Ela Angerer diese Bruchteile nicht ab, da sie so klischeehaft wie aus einem Lehrbuch über die Nachkriegszeit und verwöhnten Neureichen erzählt. Ein Bündel frischer Geldscheine auf Knopfdruck aus der Hosentasche gezogen und der Tochter hingestreckt, wenn sie mal nicht so will. Auf Internate - weg - geschickt. Die Tochter selbst stürzt sich in Drogen und probiert alles, wirklich alles aus. Alles kennt man schon, und doch scheint uns das Buch neu lehren zu wollen, indem alles überspitzt dargestellt wird. Ganz einfach, es ist 'over the top'. 



Vielleicht, hofft man dann, ich zumindest, macht der Schreibstil dies dann wieder wett. Tut er aber nicht. Er ist nüchtern und gespickt voller kleinen Ausdrücke, die absolut komisch waren und mich das Buch geschockt, Tränen lachend und einfach verwirrt sinken liessen - meistens befand ich dann, für den Tag genug gelesen zu haben. Das Buch hat ja nur 200 Seiten, und wenn ich euch dann dafür abraten kann, dann lese ich es auch durch. Es war aber keine einfache Reise, obwohl die Schilderung dafür umso einfacher waren.

Mir fehlte auch eine gewisse Distanz, mit der die Erlebnisse angeschaut werden. Aber eben, es wird schlicht erzählt und dies auf keine ergreifende Weise, sondern eher gelangweilt wie in einem Schulaufsatz, der nicht unbedingt für seine Originalität oder für den Ausdruck von der Lehrperson hochgelobt werden könnte. So wird vollkommen emotionslos erzählt und ohne irgendwelche Gemütszustände auszudrücken. Weder kritisiert noch gross hinterfragt wird dabei, was mich ein bisschen traurig stimmt. Natürlich drückt das ganze Buch eine gewisse Kritik an sich selbst, an ihrer Jugend aus, dennoch finde ich wenige Passagen, in denen Ela Angerer wirklich rüberbringen konnte, was sie vermeintlich meinte. Anscheinend versuchte sie dies durch Übertreibung auszuglätten, was meiner Meinung nach ein Schlag ins Leere war. Deswegen kann ich euch das Buch leider nicht wirklich empfehlen.





Deuticke / 200 Seiten / Gebunden mit Schutzumschlag / Original Deutsch / 18.90 Euro [D]

Antwerpens Buchbar

Ich bin sicher, dass wir alle das Lesen an gemütlichen Orten mit warmen Getränken lieben - eine Wohlfühlorgie für Kopf und Seele. Die Buchbar in Antwerpen ist einer der besten Orten dafür. Das Ambiente ist wahnsinnig einladend, die Einrichtung stilvoll schlicht und zurückhaltend, die Bedienung nett, die Plätze an der Sonne verführerisch, die Bücher erlesen und das WLAN gratis. Es gibt keinen Grund, die Buchbar nicht zu mögen und dafür umso unendlich viele mehr, sie zu lieben. 

Ich hatte einen frischen Minz / Zitrone / Ingwer Eistee, welcher lecker und super erfrischend war, während meine Begleitung einen Ice Coffe bestellt und sehr gerne mochte. Die englische Auswahl ist bescheiden, aber blühend - ich hätte einige viele Bücher mitnehmen können, weil sie super speziell waren und mich fast alle angesprochen hatten. Neben Bücher waren auch die Schreibwaren für mich sehr verlockend - wunderschöne und handgebundene Notizbücher beispielsweise. Man kann auch superschöne Geschenke kaufen, welche Beispielsweise eine Jutetasche, ein Notizbuch, ein Schreibuntensil und ein Gutschein für drei Kaffees kaufen. Die Jutetaschen gefallen mir sehr gut, die kontrastreichen Farben und das schlichte Logo sind vor allem in Kombination todschick.

Dries Otten hat die Buchbar mit-innen-gestaltet - bei ihm (HIER!) findet ihr auch noch mehr Fotos, die die erwähnte Atmosphäre perfekt einfangen. In der Buchbar gibt es... natürlich Bücher, viel helle Farben, viele Kunstdrucke, viel Holz, Blumen, eine tolle Mischung alter und neuer 'Features', BÜCHER, eine offene Küche, tolle Lampen, warmes Sonnenschein-Gelb, und, ähm... Bücher!



 



herzlichst,
Mara

T R A V E L - Antwerpen und Gran Canaria



Ihr habt es vor allem bei meinen beiden Posts zu den 'Ferienlektüren' gemerkt - ich komme im Moment ganz schön rum. Ich habe Ferien und geniesse das wahnsinnig und schätze es natürlich auch sehr, so viel reisen zu dürfen. Um euch anders davon teilhaben zu lassen, möchte ich euch hier kleine Travelguides schreiben. Ich wünsche euch ganz, ganz viel Spass und noch viel mehr Reisen!
Ja, in Gran Canaria war es schön. Ich möchte nochmal kurz rekapitulieren - zuerst waren wir an der Südküste in einem wunderschönen Hotel, und wenn ich als absolute Hotelhasserin das sage, soll das was heissen. Wir waren an einem ruhigen Ort, aber unweit entfernt von Maspalomas und San Agustin, welche zwei sehr, sehr hässliche Ferienorte sind. Während eines langen Spazierganges zu den Dünen Maspalomas' (diese sind aber empfehlenswert, man fühlt sich wie in der Sahara) kamen wir an beiden Orten vorbei. Beide übrigens überwiegend von Deutschen besiedelt, sodass eigentlich nur Deutsch gesprochen wird. Es gibt da auch überhaupt kein kulturelles Angebot oder schöne Restaurants, weswegen ich euch hier wirklich nichts empfehlen kann. Die Hauptstadt der Insel, Las Palmas dagegen, war sehr schön und kulturell, abgesehen der mir persönlich wichtigen aber nicht vorhandenen Buchhandlungen. Es lohnt sich hier, Ausstellungen und Kulturzentren zu besuchen und den öffentlichen Verkehr, der grandios abgewickelt ist, zu benutzen. Ich fühlte mich wie in der Schweiz, auf die Sekunde (!) pünktlich kamen Busse und fuhren auch wieder genauso pünktlich ab. Ein Ausflug ins süsse, wenn auch ein wenig verschlafene Städtchen Teror lohnt sich ebenfalls.
Aber, ganz ehrlich, ich bin mehr ein Stadtmensch. Deswegen schlug mein Herz für Antwerpen, einer wunderschönen Stadt, auch ein klein wenig mehr. Sie ist mit knapp über 500'000 Einwohner gar nicht so viel grösser als Zürich und vielleicht eine Stadt, die oft ein bisschen vergessen wird. Nach meiner Reise dort wage ich aber einige Behauptungen - und zwar, dass diese Stadt auf jeden Fall mit New York, London, Paris, Berlin, Amsterdam und allen anderen 'gehypten' Städten mehr als mithalten kann. Denn Antwerpen hat ganz viele unterschiedliche Viertel und Quartiere mit anderen Eigenarten und tollen Eigenschaften. Antwerpen ist demnach vielfältig und sowieso multikulti, genau wie New York. Antwerpen ist verliebt ins Detail und architektonisch definitiv das Highlight meiner gesamten Reisen, ähnlich wie Paris. Antwerpen kann aber auch cool, genau wie Berlin und Amsterdam und London. Aber Antwerpen hat noch mehr Vorzüge.

Architektur...
Beginnen wir bei der Architektur. Es gibt wahnsinnig viel zu sehen in dieser Stadt, und das Schöne ist, dass so vieles davon gratis ist, gerade eben Bauwerke. Art Nouveau Häuser (Jugendstil) sprechen mir zwar eigentlich gar nicht zu, sie aber in Hülle und Fülle aneinandergereiht zu sehen, hat doch etwas sehr faszinierendes. Aber auch bei moderner Architektur kann Antwerpen ihre Nasenspitze ziemlich weit nach vorne rücken. Bei Spaziergängen durch die Stadt entdeckt man immer wieder Häuser, die mindestens ein Zeigefinger-Ausstrecken wert und meistens auch von Hobbyfotograf_innen belagert sind.

Unterwegs...
Ich würde euch auch empfehlen, die Stadt zu Fuss zu erkunden. Dabei lernt man eine Stadt einfach am Besten kennen. Und da Antwerpen eher klein ist im Vergleich zu den oben genannten Städten, muss man nicht einmal auf's Fahrrad umsteigen (in Berlin super! In Antwerpen lässt sich aber übrigens auch für wenig Geld ein 'Vélo' ausleihen, zum Beispiel bei der gleichnamigen Firma. Wem das Wort nichts sagt, es ist Französisch sowie Schweizerdeutsch für Fahrrad). Wenn man sich aber, wie ich, neue Schuhe bei Urban Outfitters gönnt, die dann auch zu Beginn noch hier und da drücken, kann sich aber auch auf die guten Strassenbahnverbindungen stützen, die einem sicher von A nach B bringen. Hier ist es mehr als ratsam, in einem sogenannten 'Papershop' (ganz normale Kioske) bereits Fahrkarten zu kaufen, meistens ist ein Zehnerstreifen ratsam. Ein Stempel kann man  dann eine Stunde lang benutzen. Ach ja, im Papershop kostet ein solches Ticket dann 14 Euro (1,40 Euro pro Stunde), wenn man dies aber vergisst und in der Strassenbahn bezahlt, lässt man 3 Euro pro Stunde da!

Flohmärkte...
Es gibt super viele Flohmärkte, die sich wirklich lohnen. Wir sind an die meisten zufällig rangelaufen, weswegen ich euch keine genaue Auskunft geben kann, aber sie lohnen sich! Man kann nämlich gerade auch was Mode betrifft schöne Schnäppchen machen und Markenartikel finden. 
Museentechnisch gibt es auch viel zu sehen in Antwerpen. Besonder hervorheben möchte ich das Fotografiemuseum, in welchem wir unsere zweite, wieder sehr faszinierende, wenn auch sich teilweise überschneidende Ausstellung von Boris Mikhailovic gesehen. Das Modemuseum ist auch ein Besuch wert, auch  wenn es sehr klein ist - Irgendwie sahen wir bloss eine Sonderausstellung. Übrigens bekommt man zu jedem Eintritt noch ein Gutschein für ein Gratis T-Shirt bei Uniqlo, und da ich und meine Eltern (Kunsthistorikerin und Künstler) mit der ICOM-Karte gratis in alle Museen (ja, der Welt - ich weiss, es ist ein Traum) kommen, lohnte sich  das ja gleich doppelt und dreifach. Das Königliche Museum der schönen Künste soll auch sehr gut sein, wird aber bis 2017 umgebaut und renoviert. Das Hafenmuseum 'Museum aan de Stroom' ist wieder ein faszinierender Bau. Gratis kann man das Gebäude ganz erklimmen (bis in den zehnten Stock) und einen Aussicht über Antwerpen geniessen, die einem klar macht, dass die Stadt doch nicht so klein ist wie gedacht. Eine der vielen, vielen Ausstellungen kann man ebenfalls kostenlos betreten, für die anderen muss man ein wenig Kleingeld lassen, was bei den schön kuratierten Ausstellungen aber niemanden stören sollte. Leider, leider (Gottes) war auch das 'Museum van Hedendaagse Kunst' geschlossen, welches uns fast am brennendsten interessierte. Wir waren rund um den katholischen Feiertag 'Christi Himmelfahrt' (oder war es Maria...?) dort, und vieles machte die Brücke.

Apropos... [Informationen]
Apropos katholisch etc. - kleine Erläuterung der politischen Situation in Belgien. Das Land ist nämlich, wenn man so will, zweigeteilt. Wir haben den niederländischen und französischen Teil, der erste (in welchem Antwerpen liegt) auch katholisch, der andere evangelisch. Weil die auch zerstritten sind, ist ein guter Tipp, in Antwerpen nicht auf Französisch umzusteigen, sondern Englisch zu benutzen, welches alle auch fliessend sprechen.

Einkaufen...
Kommen wir zu einem Teil, auf den ich mich immer zweierlei vorbereite - ich freue mich darauf, und ich spare darauf. Natürlich das Shoppen oder schweizerdeutsch liebevoll genannte 'lädele'. Es gibt dazu vor allem einen Grund, und zwar, dass es Urban Outfitters in der Schweiz nicht gibt. Dies ist nämlich auch der absolut einzige Laden, den ich euch an der sehr ungemütlichen Shoppingmeile 'Meir' in Antwerpen empfehlen kann, die anderen sind austauschbar und überall zu finden, ausserdem, ihr kennt es, leider oft mit syntethischen Fasern und in Entwicklungsländern produziert, mehr muss man dazu wohl nicht sagen. Kleine Boutiquen, an die man ranläuft, sind ein Besuch wert, oft findet man schöne und sehr stylische Marken dort. Aber davon abgesehen gibt es auch einige, die ich euch empfehlen kann, schaut doch mal bei meinen zwei Lieblingen 'Filippa K' und 'A.P.C' (Atélier de Production et Création Paris) vorbei, die auch teilweise in Deutschland, wieder aber nicht in der Schweiz vertreten sind. Mehr kann ich dazu aber nicht wirklich sagen.

Geniessen...
Ruhestätten gibt es in Antwerpen viele, und zwar nicht so, wie ihr denkt! Nennen wir sie mal Geheimtipps. Ich möchte gar nicht zu viel verraten, sondern euch ein schönes Erlebnis schenken. Schaut an folgenden beiden Orten unbedingt vorbei (ist gratis), wenn ihr in Antwerpen sind. Beidesmal werdet ihr wohl genau wie wir einfach  das Bedürfnis haben, zu lächeln und für den Rest des Tages glücklich zu sein - der Begijn-Hof und der Platz vor der St.Paulus Kirche.

Verweilen...
Natürlich braucht man auch noch eine andere Art des Ortes zum Verweilen. Und, wie ihr nun spätestens mitbekommen habt, bin ich kein Fan von Hotels. Zwei Appartement-Empfehlungen gibt es hier jetzt aber von mir, beide Anbieter haben aber auch mehrere Appartements! MARBLE und BLANCOOO.

'Eten & Drinken'...
Und was ich persönlich liebe und Antwerpen wirklich die Nase vorn hat, sind Cafés! Ganz ehrlich, läuft einfach durch die Stadt und ihr habt die Qual der Wahl! Trotzdem möchte ich euch hier einige Favoriten, die ich euch wirklich ans Herz legen kann, vorstellen, genauso wie Café-Hotspots! Da gibt es vor allem einen, und zwar den Hendrik Consience Plein (Platz). Genauso wie andere Strassen liegt dieser zwar Nahe dem Zentrum, aber ist vollkommen ruhig und hier speziell sehr meditteran - man fühlt sich wie in Italien! Hier gibt es einige Cafés, die wirklich schön sind.

jam - woolstrat 47

  
tinsel - vlamsekaai 40

buchbar - WIRD DEMNÄCHST IN EINEM BEITRAG VORGESTELLT - scheldestraat 79

native - muntstraat 8

vitrin - marnixplaats 14

 
orso - grote beerstrat 46

mirlo's - verbondstraat 1

copper - belegstraat 80

Bilderquelle: GOOGLE IMAGES

Ich hoffe, ich konnte euch anregen und für diese zwei Destinationen faszinieren. Sie sind wirklich atembraubend schön und es gibt wahnsinnig viel zu entdecken. Wenn ihr zukünftig mehr T R A V E L G U I D E S lesen möchtet,  lasst mich dass doch wissen. Reisen ist ein Lebenselixir für mich und nur zu gerne teile ich mit euch die unterschiedlichsten Rezepte. Herzlichst,  mara luna

VIVRE AVEC DES LIVRES // ich bin halt eben so

ich bin halt eben so.

 
wenn du dich fragst, was die meint, dann schau mal ein bisschen höher und lies. etwas neues steht da, etwas neues IST da.


v i v r e    a v e c     d e s    l i v r e s


genau so heisst dieser blog jetzt, in diesem moment befindest du dich auf 'vivre avec des livres'. ist das nicht  unglaublich? wonderful books fand  ich immer ein wenig unoriginell und vivre avec des livres stammt einfach direkt aus meinem herzen. es ist übrigens französisch und bedeutet 'leben mit büchern'. genau das möchte ich euch nämlich hier zeigen, den teil meines lebens, der sich mit büchern beschäftigt. ich habe in den letzten jahren mehr als bloss ein wenig gefallen gefunden an dieser grossen welt und mich öfteres umorientiert. und ich fühle mich wohl, möchte aber manchmal ausbrechen  aus den eigenen welten, auf die ich mich beschränke. ausserdem beginne ich  gerne neues, werfe sogar gerne sachen völlig um und reagiere auf geistesblitze. ich warte nicht, sondern mache einfach und so ist es auch mit diesen blognamen. obwohl es dauerte, bis es sich richtig angefühlt hat. aber das tut es nun. und noch wohler fühlen sich die worte herzlichst willkommen auf vivre avec des livres.

diesen namen kann man sich auf der zunge zergehen lassen, er ist originell und ich stecke da irgendwie drin. tatsächlich kam eine enge freundin von mir auf den namen, ich habe ihn dann noch in korrektes französisch verwandelt und mich dann über monate damit angefreundet. und nun? je suis amoureuse avec ce nom. je l'aime. 


es ist tatsächlich ein neuanfang. über die zeit habe ich mich gefunden und wenn ich so überlege, hat dieser blog vieles davon miterlebt. ja, amina hat sich verabschiedet. und ja, ich habe immer wieder änderungen eingeführt. beispielsweise das bewertungssystem abgeschafft - da ich es, kurzgefasst, einfach populistisch finde und euch lange, ehrliche gedanken anstatt eine einzelne zahl bieten möchte. ich habe einige andere kategorien eingefügt, manche erfolgreich, andere weniger, aber die blogarbeit macht mir spass und inspiriert mich, nicht zuletzt wegen euch, weswegen ich ein riesiges D A N K E S C H Ö N aussprechen möchte.

also - DANKE!

ps: der name heisst übrigens 'leben mit büchern'!

ich bin die, die niemand sieht


An dem Tag,  an dem ihre beste Freundin ermordet wurde, verschwand Judith. Jahre später kehrt sie plötzlich zurück. Stumm. Eine schreckliche Tat raubte ihr die  Stimme. Niemand weiss, wo sie gewesen und was mit ihr geschehen ist. Sie lebt als Aussenseiterin in ihrer kleinen Gemeinde. Schweigend muss sie mit ansehen, wie ihre grosse Liebe Lucas im Begriff  ist, eine andere zu heiratenn. Aber als ihr Dorf und die Menschen, diei sie liebt, bedroht werden, muss sie ihr Schweigen breechen und ihr Geheimnis lüften. Denn nur wenn sie die Wahrheit über die schrecklichen Ereignisse in der Vergangenheit offenbart, wird sie ihr Dorf und ihre grosse Liebe retten können. 



'Ich bin die, die niemand sieht' von Julie berry habe ich mir an der Frankfurter Buchmesse (ja, vor anderthalb Jahren) gekauft. Ich habe noch nie vorher davon gehört und ehrlich gesaft liess der Klappentext keine wahnsinnig originelle Geschichte erahhnen. Trotzdem griff ich die Tage zu deem Buch und wurde im ein oder anderen Fall überrascht.

Julie Berry sagte mir ja gar nichts, die Sprache der Autorin ist aber einzigartig und poetisch. Gekonnt lässt sie die Aneinandergereihten Wörter ein zärtliches, ruhiges Lied für die Leser singen, fast schon lieblich, welches sich aber genauso grausam und verletzend anhören kann, wenn die Protagonistin Judith beispielsweise Leid erfährt. Sie selbst hat keine Stimme - sie ist stumm, denn ihr fehlt ein Stück der Zunge. Genauso brutal wie es sich anhört wurde es ihr entfernt. Von ihrem Entführer, bei dem sie zwei Jahre lang hauste. Dann kehrt sie in ihr Dorf zurück, um alles verändert vorzufinden. Ihr Vater ist nicht mehr am Leben und deswegen ist nun ihr Bruder der Mann im Haus. Und Lucas, in den sie seit geraumer Zeit verliebt ist, scheint die Heirat mit einer anderen vorzubereiten. Im Dorf ging das Leben nämlich  weiter. Nach ihrer Rückkehr wird Judith aber nicht himmelhochjauchzend empfangen, wie man es erwartet, sondern als Aussätzige behandelt.

Tatsächlich hat sich mein Verdacht bestätigt - die Geschichte ist nicht was man nicht schon mal ähnlich irgendwo gelesen hat. Denkt man zumindest ziemlich lang. Ich kann euch eins verraten: Im Buch ist nichts so, wie es scheint. Manchmal ist es total überliefert, dann erschreckend direkt. Manches ist wahr, manches darf man nicht glauben. Aber, da geb' ich unserer ersten Vermutung recht, die Grundgeschichte baut auf einem altbekannten Prinzip aus und ist nicht das Originellste vom Originellsten.

Vielmehr zeichnet diesen Roman, wie schon erwähnt, die gefühlsstarke Erzählstimme aus, genauso wie die anderen Details und die spannenden Thematiken, die Julie Berry feinfühlig und gekonnt in das Buch eingebaut hat. Judith erwähnt während den kurzen, manchmal nur ein paar Sätze langen Abschnitten oder Kapitel immer wieder diese eine Person, die sie in der zweiten Person Singular anspricht. 'Du' ist Lucas, in den Hochzeitsvorbereitungen steckend. Wenn man das hört, nimmt man an, sie widmet ihm das Buch also, aber so wirkte es auch nicht auf mich. Sie erzählt für sich selbst.  Denn sie kann nicht sprechen, sich nicht ausdrücken und wird deswegen für dumm gehalten und auch so behandelt (eine schöne Thematik, welche auch schon ausführlicher und anders im Buch 'Mit Worten kann ich fliegen', hier rezensiert behandelt wurde). Deswegen nehme ich an, dass das Ganze für sie selbst ist, sie für sich schreibt.

Man kann das Buch aber klar von Werken mit ähnlichem Setting trennen, weil wir uns von Beginn an in einem ganz anderen  Szenario oder Verhältnis wiederfinden. Denn es sind andere Dinge gegeben als üblich. Dass das Buch nicht in der heutigen Zeit und ausserdem in einer streng religiösen Gemeinschaft spielt, wird schnell klar, aber weder Datum noch Or sind gegeben. Wir wissen von Beginnn an, wer wofür verantwortlich ist oder verstehen gleichzeitig mit den Charakteren. Wider Erwartens spielt auch Missbrauch keine Rolle, dafür wird anderes, zum Beispiel die Situation in der Schule in einer solchen Gemeinschaft für Mädchen und Jungen genau beschrieben.

Insgesamt ein feinfühliges und grossartiges Werk, welches viel mehr an sich hat, als man vielleicht erwartet und welchem ich mehr Aufmerksamkeit wünsche. Ich kann es nur empfehlen.



cbj / 320 Seiten / Kartoniert / Original Englisch 'All The Truth That's In Me' / übersetzt von Stefanie Singh / 8.99 Euro

The Coral Sea - Patti Smith - Photographs

When he passed away, I could not weep so I wrote. Patti Smith über ihren besten Freund Robert Mapplethorpe


Lyrik ist ein Gebiet, welches mir sehr schwer fällt, es zu besprechen. Es gibt so viele Facetten und steckt voller Emotionen. Es ist persönlicher als so vieles und meistens für sich selbst und wir dürfen froh sein, daran teilzuhaben. Patti Smith widmete The Coral Sea ihrem besten und lebenslänglichen Freund Robert Mapplethorpe, welcher früh an einer Krankheit verstarb. Die beiden Künstler pflegten eine Liebe und Freundschaft, die über vieles andere hinausgeht und in Patti Smiths Werk Just Kids thematisiert wird. Dieses Buch aber berührte mich ungemein und hat mich vieles anders sehen lassen - Freundschaften, Liebe, Begegnungen, Berührungen. Das ganze Leben. Demnach ist es meiner Meinung nach nicht richtig, ein Buch zu rezensieren. Trotzdem möchte ich es euch mehr als jedes andere hier besprochene Buch ans Herz legen und habe versucht, das Buch, schlicht und allein das Buch, ein wenig für euch einzufangen. Das Buch ist nämlich eigentlich mehr als das Buch, aber das nur im persönlichen, privaten, in dem Raum, in dem man das Buch, die Freundschaft, die Liebe, Begegnungen, Berührungen und das Leben selbst entdeckt und erfährt.


Die Fotografien im Buch stammen von Robert Mapplethorpe, Patti Smith und Lynn Davis









april

die Bücher


Sommer unter schwarzen Flügeln von Peer Martin
Dieser mehr als 500 Seiten dicke Roman beendete ich Anfang Monats - ich liebte ihn. Ich habe ihn diesen Monat eigentlich gleich zweimal besprochen, einmal im Rahmen von Carolins Challenge #readdifferent. Mehr zu meiner Meinung dann in meiner Rezension.

Wenn ihr uns findet von Emily Murdoch
Mit diesem Roman fing meine Lust auf etwas ältere ungelesene Bücher an, die ich schon länger auf meinem Stapel liegen habe. Ich habe ihn aufgrund der leichten Sprache zwar schnell verschlungen, mochte ihn aber nicht durchwegs immer. Meine Kritikpunkte und mehr könnt ihr in meiner Rezension nachlesen.

Herzflattern mit Karamell von Erin Gough
Wie meine Korrespondention vom Fischer Verlag im Mail meinte, kann auch ich sagen: Hinter dem Buch steckt mehr als nur das Cover. Dem ist tatsächlich so, nämlich ein tolles Jugendbuch. Wenn auch leichte Lektüre, dann solche, die Spass macht und durchaus gewisse Missstände in unserer Gesellschaft aufdeckt und sich zu Leibe nimmt. Wird demnächst im Rahmen von livresque amitié besprochen.

Der Geruch von Häusern anderer Leute von Bonnie-Sue Hitchcock
Dieses Buch ist das einzige, welches mich vom aktuellen Königskinderprogramm so wirklich anspricht. Also habe ich es mir schnell zugelegt und durchgelesen und für gut befunden! Da die liebe Anaïs es mir schenkte  und es auch selber besitzt, werden wir es auch wieder in livresque amitié besprechen.

We All Looked Up von Tommy Wallach
Auch dieses Buch hier wird in einer zukünftigen Folge von livresque amitié besprochen. Vorab sagen kann ich schonmal so viel, dass das Buch sich trotz kritisch klingendem Inhalt an einigen Klischees bedient und das nicht zu kurz. Auch ansonsten fällt meine Meinung dazu eher negativ aus.

Ich bin die, die niemand sieht von Julie Berry
An der letzten Buchmesse durfte dieses Buch mit, von welchem ich davor und auch danach noch nie gehört habe. Nach dem Lesen kann ich es nun wirklich nicht verstehen. Die Geschichte mag unoriginell klingen, ist es aber dank fantastischer Umsetzung gar nicht. Meine Rezension folgt.

Serienunikat von Chantal-Fleur Sandjon
...ist das letzte Buch, welches ich im April beendet habe. Auch dieses befand mich seit langer Zeit in meinen Fängen. Ich habe es übrigens abgöttisch geliebt. Meine Rezension kam kürzlich online und erzählt genauer, was mir an diesem Buch mir fabelhaftem Berlin-Setting so gefällt.


...das heisst [Statistik]
7 Bücher,
7 davon deutsch

2595 Seiten,
demnach 86.5 Seiten pro Tag
(51 mehr als im März!) 

durchschnittlich 4.143 bewertet

-1  Buch im April
Ende März: 94 ungelesene Bücher
+ 6 Bücher (Neuzugänge) | - 7 Bücher (gelesen)
Ende April: 93 ungelesene Bücher

GELESEN | UNGELESEN


die Reise


Eine Woche GRAN CANARIA war super, jedoch ist die Insel sehr touristisch und es wird, sehr zu meinem bedauern, mehr Deutsch als Spanisch gesprochen. Eine Woche Sonne und Strand, wenig Internet und viel Entspannung tat, wie der letzte Punkt schon aussagt, sehr gut. Ich habe viel gelesen und eine schöne Stadt entdeckt, die mir bisher fremd war. Ich habe viel unternommen und Tagebuch geführt und eine wirklich, wirklich schöne Zeit gehabt. Unsere zwei sehr schönen Domizile waren einmal BUGANVILLA APARTMENTS am Strand und dann THE LOFT in der Stadt, in derselben Reihenfolge.

die Musik

Im April habe ich kein einziges Konzert besucht, dafür eine neue Künstlerin sowie einzelne Lieder kennen- und liebengelernt. Was für den Mai geplant ist, kann ich noch gar nicht sagen. Ich möchte euch aber noch kurz etwas empfehlen. Ich bin eigentlich keine Fanin, wenn meine sozialen Medien oder Apps mir Zeugs vorschlagen, denn ich bin der Meinung, ich weiss selbst ziemlich genau, was mir gefällt. Allerdings liebe ich die 'discover weekly' Playlist von Spotify. Die ist nämlich wöchentlich genau auf dich zugeschnitten und so habe ich viel Neues kennengelernt. Auch schön ist, dass sich die sich nicht so in den Vordergrund stellt, sondern sich ziemlich ruhig im Hintergrund hält.

SEVDALIZA

Sevdaliza konnte mich mit ihren  Klängen wirklich verzaubern. Sie mag viele an FKA Twigs erinnern und hat vielleicht ähnliche  Züge in ihrer Musik, ist doch aber ganz eigen und hält sich an keine Regeln - sie macht komplett ihr eigenes Ding. Eine Vinyl von ihr konnte ich leider noch nicht ergattern, was mich ein wenig traurig stimmt, man bekommt die nämlich nicht, dafür ist sie noch zu unbekannt. Ich empfehle euch aber, ihre Musikvideos zu schauen, das ist ganz grosses Kino. Sie denkt sich wahninnig viel dabei und ihre Kunst ist wirklich atemberaubend. Unter dem jeweiligen Video findet sich noch ein Text, in dem das Video erklärt wird und die Gedankengänge Sevdalizas, wenn sie in ihrem Video zum Beispiel das aktuell vielbesprochene Thema Sex / Gender behandelt.
Empfehlung: Marilyn Monroe, That Other Girl, Sirens of the Caspian

Woodkid - I LOVE YOU (Acoustic)


Ich liebe Woodkids Stimme und eigentlich auch die Melodie seiner Songs, jedoch sind mir die alle zu gewaltig und bombastisch, man denke nur mal an Run Boy Run oder Iron. Diese akustische Version habe ich mir diesen Monat aber endlos angehört, weil hier seine Stimme wirklich zum Ausdruck kommt und sich eine schöne Atmosphäre durch das Lied zieht.

Reverie & Louden - WHILE I'M STILL HERE (ALL I KNOW)


Ich mag Rap, auch wenn ich über die Entwicklung speziell von Hip Hop immer wieder traurig und erschüttert bin. Gerade Hip Hop kommt aus von den Strassen und wird jetzt kommerzialisiert wie nichts anderes und völlig aus dem Konzept gezogen, meiner Meinung nach ein Diebstahl.  Reverie habe ich neu entdeckt, sie ist eine junge engagierte Rapperin aus L.A. und speziell dieses Lied bringt ihren berüchtigten 'Flow' super rüber und versetzt mich in eine Stimmung, in der ich  einfach tanzen und vergessen will - kennt ihr das?

 das Theater

Wir weinen nicht, Zürich
Im April sah ich eine einzige Theateraufführung, und zwar wir weinen nicht. Diese ging nach der Trilogie von Agota Kristof, welche meine Mutter  und andere Leute die ich kennen gelesen haben und es mir immer wieder ans Herz legten. Es war definitiv experimentelles Theater. Als Zuschauer sass man zuerst auf der Bühne und wurde dann wieder interaktiv miteinbezogen. Eigentlich gibt es nur zwei Personen, jedoch gab es etwa 20 Schauspieler. Ich habe es wirklich geliebt und möchte das Buch demnächst lesen.

die Ausstellungen

Pipilotti Rist - 'Dein Speichel ist mein Taucheranzug im Ozean des Schmerzes', Kunsthaus Zürich



Pipilotti Rist ist eine bekannte Künstlerin aus der Schweiz, die ihren Fokus auf, so sagt man, feministische Aktionskunst gelegt hat. Ihre Sonderausstellung im Zürcher Kunsthaus ist nur für kurze Zeit da, weil der Aufbau sehr aufwändig war. Ich selbst habe schon viel von ihrer Kunst gesehen, ganz viele  unterschiedliche, frühe und späte Werke, Filme sowie Installationen. Den verfügbaren, recht grossen Raum teilte sie chronologisch ein, zu Anfang findet man ihre Erstlingswerke, welche sich allein auf Videokunst spezialisierten, nach und nach kommt man dann zum speziell für diese Ausstellung konzipierten Teil. Dieser beinhaltete unter anderem die Inszenierung eines 'Zu Hauses' mit alten Möbelstücken. Ihre Kunst war auf, in und um die jeweiligen Dinge projiziert. Tatsächlich schafft sie im ziemlich dunklen Raum,  den man ausschliesslich mit Taschenlampe betrifft, eine Atmosphäre, eine Gemütlichkeit, die immer wieder wie von gespenstischen Fäden durchzogen durchbrochen wird. Immer wieder hört man auch ihre Musikstücke, beispielsweise 'I'm A Victim Of This Song'. Im letzten Teil empfängt einem dann hinter einem Vorhang von 3000 Lichtern, die aneinandergereiht von der Decke hängen und durch  die man auf einem vorgegebenen Pfad wie durch einen  Wald hindurchschreitet grossflächige und immer wieder symmetrische Videos mit Fokus auf die Natur.

  

Ich persönlich kann weniger mit ihrer Kunst anfangen. Ich finde vieles nett und hübsch anzuschauen, tatsächlich aber selten mehr (eine Ausnahme bildete beispielsweise ein Schminktisch voller Chemikalien und mit verzerrter musikalischer Begleitung, in dem ich tatsächlich Feminismus widergespiegelt fand). Für mich muss Kunst manchmal auch unangenehm sein, hier und da drücken, Fragen aufwerfen und eben mehr können als hübsch anzusehen. Man sagt, sie habe Tabus gebrochen. Vielleicht hat sie das in Vergangenheit mit gewissen Videos, die man damals als feministisch deutete. Ich kann diesen Aspekte jedoch nur sehr undeutlich in ihrer Arbeit erkennen. Alles in allem hatte die Ausstellung, wie ich aber auch vorhersagte, viele Lücken für mich. Ja, es war ein Erlebnis und damit brachte Pipilotti Rist ihr Können auch zum Einsatz - Kunst volksnah zu vermitteln, auf vielen Ebenen. Dass sie so gehypt wird, kann ich aber nicht verstehen, da ihre Kunst dann doch nicht wirklich verweilt (übrigens nach meinen Nachfragen auch nicht bei denjenigen, die die Ausstellung liebten). Ich  war übrigens mit meiner Kunstklasse dort, privat hat es mich nicht wirklich dorthin gezogen, allein der Titel und meine Vorahnung (die, die ich mir gebildet habe und was ich schon von ihr kannte), hinderten mich daran. 

Vivian Maier - 'Taking the Long Way Home', Photobastei Zürich



Am letzten Tag besuchte ich Vivian Maiers Ausstellung in der Photobastei Zürich.  Sie ist eine Fotografin mit einer unglaublichen Lebensgeschichte. Von 1926 (New York City) bis 2009 (Chicago) lebte sie ein ruhiges Leben, wie so viele grosse Künstler wurde sie erst posthum berühmt und geehrt, wie ihr gerecht ist, denn bis zu ihrem Tod hielt sie ihre Bilder unter Verschluss. Zu Lebzeiten hatte sie den unscheinbaren Job einer Kindernanny, hatte dabei aber stets eine Begleiterin: die Fotokamera. Sie hielt sie sich  vor den Bauch, um mit ihr das New York der damaligen Zeit zu porträtieren. Sie schafft es dennoch, exakte Fotografien zu machen, im richtigen Moment, aus dem richtigen, wenn auch immer gleichen Winkel  - was für ein Talent. Trotz oder gerade wegen dieser unbekannten Methode berührten mich ihre Fotografien weitaus mehr als die vieler anderer Künstlerinnen und Künstler. Sie sind wahnsinnig wandelbar, wirken mal voyeuristisch und mal ganz zart und zurückhaltend. Das  Schwarz-Weiss verleiht den Bilder an Authentizität.  Egal ob Portraits oder Aufnahmen ganzer Szenerien, ihre Bilder erzählen immer eine Geschichte, ihr Leben sowieso. Glücklicherweise kann man heute einig ihrer Werke online einsehen, aber falls ihr in eurer Umgebung irgendwo den Namen Vivian Maier hört, würde ich alles stehen  und liegen lassen und dahin gehen. Es lohnt sich. 

div. - 'Iconocracia', Centre Atlantico de Arte Moderno Gran Canaria



'Bilder von Gewalt und Gewalt in Bildern in der zeitgenössischen, kubanischen Fotografie'
In meinen  Ferien haben wir diese Ausstellung angeschaut. Tatsächlich war die ganze Stadt voller wechselnder Ausstellungen in vielen Museen. Diese hier sprach uns am meisten an. Wir haben uns zwar auch anderes angesehen, aber ich möchte noch kurz ein paar Worte zu 'Iconocracia' loswerden.
Die Ausstellunge war natürlich verbunden mit der cubanischen Idee der Revolution und somit natürrlich  auch voller Che Guevara und Fidel Castro (beide übrigens oft von René Burri, einem schweizer Fotografen, abgebildet, welcher kürzlich verstarb. Zu seinem Tode bekam meine Mutter ein Original von ihm geschenkt, welches wir nun wunderschön in unserer Wohnung stehen haben. Ich liebe seine Bilder!) Im Centre war nicht ganz klar, was zu dieser Sonderausstellung und was zur Sammlung gehört, denn es gab nicht nur Fotografien. Es war zu vielfältig und trotz der mehrheitlich schwarz-weissen Fotografien zu bunt, um alles in Worte zu fassen. Jedoch wurden grossartige Kunstwerke vieler Künstler ausgestellt, welche alle insgesamt ein wunderschönes, ja auch in der Trauer, Bild von Cuba abgaben, ein Land, welches wir eigentlich schon lange bereisen möchten, uns aufgrund gegebener Umstände aber dagegen entschieden haben.