was uns bleibt ist jetzt | rezension

11 November 2015

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Jam durchlebt die erste grosse Liebe zu Reeve so intensiv wie nichts zuvor. Dann stirbt Reeve und für Jam macht das Leben keinen Sinn mehr. Ein Internat für traumatisierte Teenager soll helfen, und speziell eine exklusive Literaturklasse, der Jam zusammen mit nur vier anderen Schülern zugeteilt wird. Ihre Lehrerin, Mrs Q, gibt ihnen Tagebücher mit. Nichts Neues, denkt Jam, aber als die Jugendlichen darin schreiben, geschieht etwas Unvorstellbares: Sie gelangen nach Belzhar, in die Welt ihrer eigenen Vergangenheit vor den schrecklichen, alles verändernden Ereignissen. Gierig saugt Jam die Zeit mit Reeve in sich auf. Doch mit jede Seite nähert sich der Tag, an dem sie sich der Wahrheit stellen muss. Ist sie bereit, ihre Zukunft zu opfern, um in der Vergangenheit glücklich zu sein, oder gibt sie der Zukunft eine Chance, sie noch glücklicher zu machen?

Was uns bleibt ist jetzt von Meg Wolitzer

Verlag: cbt • Seiten: 380 Seiten • Fassung: Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag • Original: Belzhar, Englisch • Übersetzerin: Petra Koob-Pawis Preis: ca. 16 Euro [D]

"Man hat mich wegen eines Jungen hierher geschickt."

Was uns bleibt ist Jetzt ist ein Buch, welches mich von der Idee her begeistert hat. Ich persönlich mag keine Fantasy-Bücher, stolperte ich in den letzten Jahren aber doch immer wieder über nicht ganz realistische Elemente in Büchern, welche ich ganz okay fand. So auch bei Belzhar. Tagebücher, die dich zurückversetzen in die Zeit, in der alles okay war, wenn auch nur begrenzt und nicht für immer, scheint mir sehr psychisch und logisch erklärbar zu sein - etwas, das im Kopf passiert, wenn man Schweres hinter sich hat. Ich liess diesen Faktor also nicht entscheiden, ob ich das Buch lesen soll oder nicht, sondern schnappte es mir trotzdem und bald darauf war ich mitten in der Lektüre.


Und zwar hielt dieses Lesefieber etwa hundert Seiten an, danach musste ich das Buch weglegen. Nicht, weil es mich emotional so beschäftigt und tief getroffen hätte, nein, es langweilte mich. Ich musste etwas anderes zwischendurch lesen, eine Ablenkung, bevor ich wieder zu diesem Buch griff und mich einst wieder in der Welt von Jam befand. Sie lebt neuerdings in Wooden Barn, zusammen mit einem ganzen Haufen psychisch fragiler Jugendlicher, die hier, in diesem speziellen Internat, wieder zu sich, ihrem Leben und ihrer Wahrheit finden sollten. Das spezielle ist aber der Kurz Ausgewählte Themen der Literaturgeschichte, welchen nur wenige Schülerinnen und Schüler besuchen dürfen, unter anderem Jam, wer hätte es gedacht. Da sie neu ist, weiss sie noch nicht, was es mit dem Kurs auf sich hat, doch die anderen wissen das auch nicht - aber sie vermuten, dass etwas Geheimnisvolles hinter Mrs Quenell und ihrem Unterricht stecken muss. Widerwillig und ein bisschen verstört treffen also fünf Charaktere aufeinander, alle mit stark gezeichneten Eigenschaften, die sie für mich aber blass erschienen liessen. Auf mich wirkten sie nämlich alle wie aus einer schlechten TV-Show, und ich fühle mich nicht wohl dabei, das auszusprechen, da jeder einzelne von ihnen gerade daran ist, das Schlimmste, was ihnen bisher passiert ist, durchzustehen. Doch mich langweilten die Schwarz-Weiss-gezeichneten Charaktere, die alle unterschiedlich sein sollten. Meg Wolitzer schien spannende Differenz in die Figuren bringen zu wollen, was meiner Meinung nach aber gründlich schief lief, denn sie wirkten alle überzeichnet mit gewöhnlichen Eigenschaften und verlierten viel von ihrer Authenzität. Sehr schade, da mir auch von der Persönlichkeit keine wirklich zusagten, auch mit der Protagonistin Jam baute ich nicht wirkliche eine vertrauliche Beziehung auf, ich wurde einfach nicht warm mit ihr.

Auch wenn ich das Buch vielleicht schnell beendet habe, gab es auch nach den ersten hundert Seiten einige Passagen, die wirklich langwierig und zäh aufgebaut waren und mich nicht wirklich zu einem Fan des Buches machten, im Gegenteil, ich kann nun klar sagen, dass ich das Buch nicht mochte.

Was da bestimmt auch beigetragen hat, ist der Schreibstil. Dieser war gewöhnlich und hat mich nie gepackt oder an die Seiten gefesselt, ich war meistens eher überrascht, wie flach und eindimensional dieser war. Ausserdem bestand er aus vielen Wortwiederholungen, was mir mehrmals auffiel und mich generell meistens ziemlich schnell abschreckt. Dazu kamen immer wieder Ausdrücke wie 'WTF?' ins Spiel, bei denen ich stocken und lachen musste. Jam hat sich, nebenbei bemerkt, auch immer wieder selbst über ihre Sprache aufgeregt, was mich stocken liessen und ich fragte mich, wie viel die Autorin da bewusst so kritisiert hat. Zum Beispiel gab es da diese eine Erwähnung - "die Körper der zwei Liebenden schmiegten sich aneinander wie zum Gebet gefaltete Hände. Zwei zum Gebet gefaltete Hände? Das hört sich bestenfalls nach dem schlechtesten Gedicht Sylvia Plaths an, welches sie mit zwölf zu Papier gebracht hat und danach verärgert entsorgt hat." Ich wusste wirklich nicht, was sagen. 


Was ich an dem Buch aber am meisten zu kritisieren habe, hat mit allem zu tun, dem Inhalt sowie dem Schreibstil und den Charakteren. Die Autorin brachte immer wieder zum Ausdruck wie voller Tiefgründigkeit diese und jene Beziehung, Begegnung oder Figur lebt. Angesprochen war das alles, jedoch nicht ausgeschrieben. Wenn man dann mehr über die eigentliche Beziehung liest, diese liest, dann kommt einem diese ganz oberflächlich vor. Und so verhielt sich das meistens im Buch - zuvor alles schön und gross geredet, danach war die Wirklichkeit aber enttäuschend klein und unbedeutend. 

Zum Schluss noch zwei positive Dinge, wobei ich die erste Sache gar nicht so richtig deuten kann. Die Wendung, welche sich im allerletzten Teil einschlich, hat mich überrascht, ich sah sie gar nicht kommen. Aber ich war enttäuscht von ihr, sie wirkte mir ein bisschen lieblos herausgesucht und hingeworfen, auf die letzten Seiten. Und so verlief es auch mit dem Ende, welches mir gar nicht lebendig oder richtig für den Roman vorkam. Ich bin stark der Vermutung, dass da gepfuscht wurde und muss sagen, dass ich gar nicht zufrieden war, welchen Lauf das Buch nahm. 

Um noch anzusprechen, was ich wirklich, wirklich an dem Buch loben kann, möchte ich auf ein anderes Werk zu sprechen kommen, und zwar das von der stark in diesen Roman einbezogenen Autorin Sylvia Plath. Natürlich spielte sie für den mysteriösen Kurs Ausgewählte Themen der Literaturgeschichte eine grosse Rolle. Aber auch davon abgesehen waren die Stellen, in denen sie oder ihre Zeilen erwähnt und besprochen wurden, mit die lebendigsten und diese, die ich am liebsten las. Das Buch hat also definitiv von The Bell Jar profitiert, aber es ist auch schön, dass die Autorin so geehrt wurde, nur sollte mich das Buch dann auch bewegen. Ich denke aber, dass es für jede Leserin von Was bleibt uns jetzt danach unmöglich ist, Sylvia Plaths Bücher und Lyrik zu umgehen.

Ein Sprichwort, dass auf das Buch passt, ist definitiv 'grosse Klappe und nichts dahinter'. Die eigentlichen Szenen wirkten mir alle ein bisschen leer, davor wurden diese aber angepriesen und in den höchsten Tönen gelobt. Leider blieb der Roman für mich aber ständig auf einer banalen Ebene der Oberflächlichkeit liegen und konnte mich nicht berühren, ich wurde auch mit den Charakteren nicht warm. Wenn Sylvia Plath erwähnt wurde, strahlten die Buchstaben zum einzigen Mal so wirklich und sprachen mich an, das waren die einzigen Stellen, die ich genoss und die das Buch für mich lesenswert machten.

Meg Wolitzer veröffentlichte zahlreiche preisgekrönte und erfolgreiche Romane, zuletzt den von Publikum und Presse gefeierten Roman "Die Interessanten". Ihre Kurzgeschichten erschienen in der Sammlung The Best American Short Stories und zwei ihrer Bücher wurden verfilmt. Die Interessanten wurde zum besten Buch des Jahres gewählt von der Entainment Weekly, dem Time Magazine und der Chicago Tribune. Was uns bleibt ist jetzt ist ihr erster Roman für jugendliche Leser. Meg Wolitzer lebt mit ihrer Familie in New York City. 

Danke an den cbt Verlag für die Bereitstellung dieses Rezensionexemplar.
Kommentare
  1. Hey, ich wollte frage ob du etwas dagegen hast, wenn ich ein Bild für einen Artikel benutze... c:

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    1. Für welchen Artikel denn...? Generell eigentlich nicht wenn ich die Infos bekomme, sowie erwähnt werde. Schreib mir doch gerne schnell eine kurze Mail an wonderfulnothingelse@gmail.com

      Liebe Grüsse :)
      Mara

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