Mein Herz und andere schwarze Löcher | Rezension

27 April 2015

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Mein Herz und andere schwarze Löcher von Jasmine Warga
Genre: Contemporary
Verlag: Fischer
Seitenanzahl: 380 Seiten
Fassung: Hardcover mit Schutzumschlag
Original: My heart and other black holes, Englisch
Übersetzerin: Adelheid Zöfel
Preis: ca. 18,99 Euro [D]


Eine Geschichte über zwei, die den Tod suchen und die Liebe ihres Lebens finden
Wenn dein Herz sich anfühlte wie ein gähnendes, schwarzes Loch, das alles verschlingt, welchen Sinn macht es dann noch, jeden Morgen aufzustehen Aysel will nicht mehr leben - sie wartet nur noch auf den richtigen Zeitpunkt, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Als sie im Internet Roman kennenlernt, scheint der der perfekte Komplize für ihr Vorhaben zu sein. Und während die beiden ihren gemeinsamen Tod planen, spürt Aysel plötzlich,, wie sehr sie sich auf die Treffen mit Roman freut, wie hell und leicht ihr Herz sein kann. Und plötzlich ist der Gedanke, das alles könnte plötzlich ein Ende haben, vollkommen unerträglich. Aysel beginnt zu kämpfen. Um ihr Leben. Um sein Leben.  Und um ihre gemeinsame Liebe.



Es gibt Bücher, die gleich mit ihrem Erscheinen einen regelrechten Hype auslösen. So war es auch bei diesem Buch mit dem klangvollen Titel - wer hat von My life and other black holes noch nie gehört? Ich wette, das ist bloss eine Handvoll von euch. Es wurde verglichen mit vielen anderen Büchern, diesem und jenem, und auch wenn das eine schöne Art ist, Bücher zu beschreiben (seht doch Jule´s neues Format!), finde ich es nicht ganz gerecht. Denn dieses Buch ist so viel mehr, in dem es einfach sich selbst ist. Schemenhaft kann man es mit einem wundervollen, ausdrucksstarken Schreibstil beschreiben, einer Geschichte voller leiser Töne, die ein kräftiges, gar schon gewaltiges Gesamtwerk ausmachen. Man findet sich in einigen Zeilen, in denen man die beiden Protagonisten erklärt bekommt, wieder und man geniesst das Buch, Seite für Seite. Es würde mich wundern, wenn es jemand anders gehen würde.

Es gibt Debutwerke, von denen allen schwärmen. Weil sie eben gute Debuts sind. Aber das hier ist nicht einfach nur ein gutes Debut, nein, es ist ein grossartiges Buch, das es gar nicht nötig hat, mit John Greens Werken oder anderen Büchern, die riesige Menschenmengen verzaubert haben, verglichen zu werden. Schlussendlich ist doch alles relativ. Und auch genau das zeigt dieses Buch: Ungeschminktes, Wahrhaftiges. Aber es hört sich alles so deftig an - das ist es jedoch nicht. Es ist seidenzart, es streichelt die Leser und schlägt ihnen kalte Wasserspritzer ins Gesicht, wenn es an das Schreckliche geht. Und auch um etwas Schreckliches geht es ja eigentlich in diesem Buch. 

Aysel will nicht mehr leben. Sie will sterben. Denn das Leben, das sie bislang führt, wird durch eine schwarze Qualle in ihrem Inneren gefiltert, das alles ins Negative zieht und umwandelt. Obwohl das nicht mal nötig wäre. Freude gibt es nie in ihrem Leben, seit sie ihren Vater auf unübliche Weise verloren hat. Er ist nicht gestorben, irgendwo ist er noch, aber er ist nicht mehr er selbst. Jedenfalls für Aysel. Lose drehen sich ihre Gedanken tagtäglich um den Akt des Selbstmordes, den Schritt, den sie aber bislang noch nicht wagte. Doch dann manifestiert sich ihre Idee, denn sie braucht nur einen Selbstmordpartner, der, der mit ihr den Schritt in die Leere antritt. Dabei soll das nicht Hand in Hand ablaufen, sondern rein geschäftlich sein. Am besten mit Vertrag. Dass es ganz anders wird, als sie Roman trifft, den einzigen Selbstmordpartner, der faktisch überhaupt in Frage kommt, ist allen klar, so viel Klischee muss sein. Aber diese Verbindung, die die beiden beim makaberen Planen dieses grossen Schrittes aufbauen, ist anders als viele weitere. Sie geht tiefer, während sie doch nur an der Oberfläche kratzt. Und letztendlich müssen sich unsere beide Protagonisten natürlich fragen, ob ihre Beziehung die Tatsache, unter der sie zusammenfanden, ändert.