George von Alex Gino


Ich habe Gefallen gefunden an Büchern, in denen Erwachsene für Erwachsene aus Kindersicht schreiben. Früher fand ich dies das Schlimmste unter dem Argument 'die wissen ja gar nicht mehr, wie ich jetzt denke, fühle'. Heute mag ich das neutrale Auge, die schlichten Schilderungen, die allesamt auf der Wahrheit basieren und so ehrlich und klar sind, dass man gar nicht mehr aufhören möchte, zu lesen, weil sich die Welt im Buch so echt anfühlt. In diesem Exemplar ist das Kind George. Wir begleiten ihn ein paar Tage in der schwierigsten Zeit seines Lebens. Für ihn waren zwei Dinge immer klar: Er ist ein Mädchen, wenn auch nicht ganz so eines, wie seine beste Freundin Kelly, und doch darf er das nicht so sein, denn dieser Unterschied zwischen ihnen ist, dass ihn alle für einen Jungen halten. Oder ist er ein Junge? Dabei fühlt er sich doch wie ein Mädchen. 

Es gibt einige, ich nenne sie mal 'brisante' Themen, die heutzutage in Kinderbücher gepackt werden. Es geht um die Identitätssuche, wie immer eigentlich. Jedoch werden nun Geschlecht und Sexualität anders behandelt. Während mir Romane, die sich als einziges Thema die sexuelle Ausrichtung ihrer Protagonistin oder ihres Protagonists durch das erzwungene zur-Schau-stellen eher kontraproduktiv vorkamen, ist es beim Thema Transsexualität und der Art, wie Alex Gino dies behandelt, anders. Kinder sollen ermutigt werden, denn Mut setzt das 'Coming-Out' leider oftmals voraus. Jedoch geschieht dies immer einfacher, wenn man einen Helden vor sich hat, jemand, zu dem man aufschaut und dem man, natürlich in gesunden Massen, nacheifern wollen. Und was bitte kann gesunder sein, als zu sein, wer man ist? Genau diese Botschaft steht hinten auf dem Buch. Sei, wer du bist.
Ich weiss nicht, ob es richtig ist, hier mehr die Botschaft dieses Buches zu besprechen als die üblichen Dinge, die, die ich immer bespreche. Schreibstil, Charaktere, et cetera. Einerseits möchte man auf das Buch eingehen, andererseits ist es auch mehr als das. David Levithan und John Green, zwei grosse zeitgenössische Jugendbuchautoren, waren anscheinend Fans von Minute Eins an. Und ich kann auch verstehen, warum. Dieses Buch versucht nämlich nicht, sich grossartig zu verstellen und zu verkaufen. Dieses Buch ist authentisch und pur, kurz und knackig, ehrlich und weise. Mehr Worte dazu braucht man eigentlich gar nicht aus meiner Sicht. Denn bei diesem Buch erlebt man etwas.

Johnny und Jean von Teresa Präauer


Mach gute Kunst! Nicht Geringeres haben Johnny und Jean im Sinn, als sie sich nach dem Sommer in der Kunsthochschule wieder begegnen. Ein Sprung ins kalte Wasser steht am Beginn dieser Geschichte, und hundert Schritte sind noch zu tun für eine Weltkarriere in New York und Paris. Was dabei hilft: die Einflüsterungen der Alten Meister, gut gespitzte Buntstifte und eine Flasche Pastis. Und manchmal hilft das alles überhaupt nichts.

//

'Johnny und Jean' habe ich  gar nicht zugetraut, so skurril und gleichzeitig so ehrlich zu sein, obwohl man beides anhand des Klappentexts erahnen könnte. Wir haben da diese beiden Kunststudenten, die sich einen falschen Namen und manchmal auch ein wenig eine falsche Identität oder Selbstsicherheit andichten und sich wahlweise mal kennen und mal nicht. Unterschiedlicher könnten sie wohl nicht sein, obwohl sie sich in so vielem ähneln. Genauso durchwachsen und manchmal auch widersprüchlich liest sich das Buch an und für sich. Nach Beenden dachte ich zuerst, dass ich Glück gehabt habe bei diesem komplizierten Buch, weil es genau in meine Stimmung passte. Doch je länger ich danach darüber nachdachte, passte das Buch plötzlich in jede Stimmung, jede Jahreszeit, jedes Ambiente.

//

Wie man erwartet geht es im Buch um Kunst, Freundschaft und das Zurechtfinden im Erwachsensein, im Leben, in der Stadt. Und um Jeans Frankreich und Johnnys New York und Zürich, welches sie sich teilen. In Gedanken natürlich, wie so vieles in dem Buch, sodass man die Gedanken gar nicht mehr von der (fiktiven) Realität unterscheiden konnte. Aber auch nichts musste. Diese Verwirrung wurde bewusst erschaffen und trägt dazu bei, dass das Buch so genial ist. 

//

Und irgendwie führt dies alles dazu, dass das Buch nicht wirklich zu fassen ist, sondern als Wortwolke oder Ähnlichem in den Erinnerungen weiter existiert.






Wallstein // 210 Seiten // Gebunden // Original Deutsch 

neue bücher im juni


Heute zeige ich euch mal wieder, welche Bücher im Juni ihren Weg zu mir gefunden haben. Das waren gar nicht allzu viele. Vor allem habe ich fast keines davon gekauft. Ich bin sehr gespannt, was ihr davon bereits kennt und was euch interessiert!

G E O R G E


"Ich bin kein Junge, ich bin ein Mädchen", würde George am liebsten laut schreien, wenn ihre Mutter "Mein Junge" zu ihr sagt. Aber sie traut sich nicht. Noch nicht einmal ihre beste Freundin weiss, was mit ihr los ist. Aber eines Tages entscheidet George, dass alle es wissen sollen. 
George erzählt vom Anderssein, von Träumen und Wünschen und macht Mut, seinen eigenen Weg zu gehen. Zu sein, wer man ist.

George wurde mir als Highlight des Herbstprogramm von Fischer ans Herz gelegt, und nachdem ich es nun lesen durfte, schliesse ich mich dieser Meinung an (obwohl ich die anderen natürlich noch nicht gelesen habe!). Es erscheint im August und dann könnt ihr auch meine Rezension hier lesen.


A B W E S E N H E I T S N O T I Z

Wenn Claire Flannery eines weiss, dann dass sie für ihr Glück selbst verantwortlich ist. Claire ist Ende zwanzig, lebt  in London und hat einen Freund, der ziemlich viel arbeitet. Sie hingegen hat ihren Job gerade gekündigt. Weil der nicht so richtig zu ihr gepasst hat. Jetzt kann sie sich endlich auf die Suche machen: nach dem Beruf, der auch Berufung ist.
Doch dafür muss sie sich den ganz grossen Fragen stellen. Wie möchte sie ihr Leben verbringen? Was würde sie glücklich machen? Ihre Grossmutter, ansonsten nie um einen  Ratschlag verlegen, ist auf der Suchen nach dem richtigen Leben leider auch keine grosse Hilfe: "Ich  weiss noch, wie es ist, in deinem Alter zu sein - natürlich hatte  ich  da schon vier Kinder unter acht Jahren, aber das moderne Leben ist anders, du hast viel um die Ohren."




Sehr oft habe ich von Abwesenheitnotiz gehört und wollte mir das Buch dann unbedingt zulegen. Ich habe die Ausschnitte aus Claire Flannerys nicht wahnsinnig gewöhnlichem Alltag geliebt. Der Schreibstil und die Charaktere haben mich dabei am meisten fasziniert. Ich habe mich also wahnsinnig über dieses Buch gefreut, welches mir der Piper Verlag zugeschickt hat. Meine Rezension folgt möglichst bald.


B A R B A R A    D I E    S C H L A M P E

Wo fängt die Liebe an, wo hört die Freundschaft auf? Wer braucht einen Partner, wenn ein Hund der treuere Gefährte ist? Qualaifiziert ein Jura-Examen für einen Job im Sexshop? Lauren Holmes' Geschichten handeln von der Zeit zwischen Schule, Studium und dem grossen Schritt ins Erwachsenenleben. Sie erzählen von Jasons erster Liebe und Lalas exzentrischer Mutter, von Jennas College-Affäre und Barbaras ungewöhhnlichem Sexleben. Barbara, Jenna, Lala und Jason: Sie alle reiben sich an Eltern und Freunden, suchen sich und ihren Platz in der Welt, wollen Nähe und sind doch oft einsam. 

Dieser Titel ist ziemlich daneben, finde ich zumindest. Aber es soll hier um bestimmte Personen gehen, um Vorurteile, um das Erwachsenwerden. Um das Sozialleben junger Menschen und genau das fasziniert mich. Ich habe es in einem Brockenhaus gefunden und für ganz wenig Geld mitgenommen.


A    M O N S T E R    C A L L S


The monster showed up after midnight. As they do. But it isn't the monster Conor's been expecting. He's been epxpecting the one from his nightmare, the one he's had nearly every night since his mother started her treatments, the one with the darkness and the wind and the screaming... This monster is something different, though. Something ancient, something wild. And it wants the most dangerous thing of all from Conor. It wants the truth.

Ich wollte wieder mehr Englisch lesen, hatte aber nur dicke englische Wälzer zu Hause. Durch ein sehr spannendes Gespräch wurde ich wiedermal angeregt, dieses Buch zu lesen. Wenige Minuten danach habe ich es mir zugelegt und in der folgenden Woche zu Hause dann gelesen. Es ist wahnsinnig gut und sehr emotional. Meine Rezension findet ihr hier.


H A R T L A N D

Ein einzigartiges Reiseabenteuer: zu Fuss von Kanada bis Mexiko, drei Monate, 3500 Kilometer durch das Herz Amerikas. Wolfgang Büscher wird von Grenzern verhört, schläft in gespenstischen Motels und viktorianischen Herrenhäusern, wird auf offener Strasse von einem Sheriff gefilzt, fliegt aus einem Nachtasyl, trifft rätselhafte Cowboys und Sektenführer, bis er den Rio Bravo erreicht und in der mexikanischen Wüste verschwindet.

Amerika fasziniert mich - ausser New York - überhaupt nicht. Ich habe ein schlechtes Bild davon. Und genau deswegen wurde mir dieses Buch geschenkt. Obwohl der Klappentext meine Eindrücke bestätigen, freue ich mich auf dieses spannende Erlebnis von Lesen. Der Autor ist berühmt für diese Bücher und Amerika spricht mich von seinen Titeln am meisten an, da ich ja gerade dazu selbst eine starke Meinung habe. Ich bin gespannt, ob ich in dieser bestärkt werde oder eben nicht.

N A C H T S    I S T    E S    L E I S E    I N    T E H E R A N

Vier Familienmitglieder, vier Jahrzehnte, vier unvergessliche Stimmen.
Aufwühlend und anrührend erzählt Shida Bazyar die Geschichte einer iranisch-deutschen Familie, die ihren Anfang 1979 in Teheran nimmt und den Bogen spannt bis in die deutsche Gegenwart. Von Behsad, dem jungen linken Revolutionär, der in der mutigen, literaturbesessenen Nahid die Liebe seines Lebes findet. Von ihrer Flucht nach der Machtübernahme der Mullahs. Und von ihren Kindern, Laleh, Mo und Tara, die in Deutschland aufwachsen und zwischen den Welten zu Hause sind. 
Ein hochaktueller, bewegender Roman über Revolution, Unterdrückung, Widerstand und den unbedingten Wunsch nach Freiheit. 

Das Cover sprach mich an und der Klappentext dann auch, genauso wie meine Eltern. Also haben sie es sich gekauft und ich werde definitiv auch reinlesen. Der Titel ist wunderschön und der Klappentext hört sich einfach fantastisch an. Im Moment lese ich auch gerade über mehrere Generationen und finde das ziemlich interessant und bin deswegen gespannt, wie dieses Thema hier umgesetzt wurde.

 
 
Was kam bei euch an im Juni?
herzlichst - mara